Zahnleiden für Fortgeschrittene – hier die schonungslose Wahrheit

Mein heutiges Schlüsselerlebnis, geschildert unter Berufung auf und frei nach Wilhelm Busch

Oftmals bringt ein harter Brocken
Des Mahles Freude sehr ins Stocken.
So geht’s nun auch dem Martin Hoffe;
Er sitzt ganz krumm und hält den Zahn.
Um seine Ruhe ist`s getan;
Er biß sich auf den kranken Zahn.

Nun sagt man zwar; es hilft der Rauch!
Und Martin, ja er raucht nun auch.
Dann treiben ihn die Nöten,
Mit Schnaps des Zahnes Nerv zu töten.
Er taucht den Kopf mitsamt dem Übel
In einen kalten Wasserkübel.

Jedoch das Übel will nicht weichen,
Auf andre Art will er’s erreichen.
Auch zieht ein Pflaster hinterm Ohr
Die Schmerzen leider nicht hervor.
“Vielleicht” – so denkt er – “wird das Schwitzen
Möglicherweise etwas nützen.”
Indes die Hitze wird zu groß,
Er strampelt sich schon wieder los.
Und zappelnd mit den Beinen
Hört man ihn bitter weinen.
Jetzt sucht er unterm Bette
Umsonst die Ruhestätte.

Zuletzt fällt ihm dann der Doktor ein.
Er klopft. – Der Doktor ruft: “Herein!”

“Ei, guten Tag, mein lieber Mann,
Nehmt Platz! Wie, seid ihr heut schon dran?
Laßt sehn! Ja, Ja! Das glaub ich wohl!
Der ist ja in der Wurzel hohl!”
Nun geht der Doktor still beiseit.
Der Martin ist nicht sehr erfreut.
Und lächelnd kehrt der Doktor wieder,
Dem Martin fährt es durch die Glieder.

Ach! wie erschrak er, als er da
Den wohlbekannten Haken sah!
Der Doktor, ruhig und besonnen,
Hat schon bereits sein Werk begonnen.
Und unbewußt nach oben
Fühlt Martin sich gehoben.
Und – rack! – da haben wir den Zahn,
Der so abscheulich weh getan!

Mit Staunen und voll Heiterkeit
sieht Martin sich vom Schmerz befreit.

Der Doktor, würdig wie er war,
Nimmt in Empfang sein Honorar.

und Martin, ja er setzt sich wieder
Vergnügt zum Abendessen nieder.

Und die Moral von der Geschicht:
Vergiß niemals dein Zahnarzt nicht
Der hohle Zahn birgt manches Leid,
der steile – trägt zumeist ein Kleid.
(Will Helm)

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