Telefonterror

Im Internet fand ich noch eine ausführliche Betriebsanleitung für das im Smartphone verwendete Betriebssystem ANDROID 4.4 Kitkat, das werde ich mal in Ruhe durcharbeiten, um schlauer zu werden.
Heute den Kalender entdeckt. Schon seit langer Zeit führe ich meine Rentner-Terminverwaltung über den Google Kalender im PC. Und neu hab ich, dank einer passenden App den Kalender auch auf dem Smartphone und der synchronisiert sich sogar mit dem PC, so das ich immer aktuellen Zugriff habe. Starke Sache find ich. Und dann am Abend: boahh, ich krieg die Krise, aber richtig
da hab ich nun so ein knuffiges schönes Smartphone, entdecke eine schöne App nach der anderen und….das verdammte Telefon ärgert mich, kann ich keine Anrufe annehmen, wenn es klingelt. Alle verfügbaren Tasten gedrückt, das Ding geschüttelt und gerührt, nix, das klingelt einfach nur weiter bis zum Abbruch der Verbindung. Zwei wichtige Anrufe zum Teufel gegangen. Mein Hilferuf auf Facebook führte prompt zu konstruktiver Hilfe, dank Karin kann ich wieder Telefonate annehmen.

Mh 23.11.2014

Hilfe wird benötigt

Mein Umfeld sagt mir, dass ein Smartphone ohne WhatsApp so etwas wie ein Fisch ohne Gräten ist, nämlich lebensuntüchtig. WhatsApp ist viel besser als SMS, billiger, schneller, übersichtlicher sagt man mir. Nun gut, versuchen wir es mal. Beim Einlesen zur Materie geht der Abend drauf, ich gebe auf, erst mal eine Runde schlafen.
Die Installation von WhatsApp war ein Problem, das ich dann nur mit einer findigen Helferin gelöst habe. Funktioniert prächtig, noch ein bisschen holperig, aber das ist wohl Übungssache.
Als letztes die Kamera: das Gerät besitzt zwei davon, eine auf der Rückseite mit Blitz, Foto- und Videomöglichkeit. Dann eine kleinere auf der Vorderseite für die so wichtig gewordenen (warum eigentlich) „Selfies“.
Bitte keine Superfotos erwarten, die Kamera reicht aber für einfache Schnappschüsse. Von meinem alten Handy bin ich bessere Fotos gewöhnt. Die Bedienung der Kamera(s) ist weitgehend selbsterklärend und macht weiter keine Probleme.

mh 22.11.2014

Erste „Smart(e) Erfahrungen

Weiter geht’s, ich teste einfach herum. Wegen meiner doch recht unhandlichen Finger auf den kleinen Tasten habe ich mir einen Eingabestift besorgt, das Tippen und Wischen geht gleich viel besser.
Als erstes, den Google-Account auf dem Smartphone einrichten. Eine Kleinigkeit, das Menü führt einen sicher, bis…ja bis zur Passworteingabe. Mein vorhandenes Passwort enthält Sonderzeichen, die Android wohl nicht kennt. Also, zum PC, bei Google das Passwort ändern und dann – klappt beim ersten Versuch auch Google auf dem Smartphone. Ich bin drin! Mail abrufen, Googlesuche, alles möglich. Solcherart mutig geworden gebe ich mich daran, meinen Facebookaccount einzubinden. Aber halt, erst per PC das Passwort ändern, ich bin ja inzwischen gewitzt wegen der Sonderzeichen. Und auch Facebook klappt auf Anhieb, ich bin drin. Die Steuerung im Programm selbst ist mir noch ein bisschen nebulös, werde ich aber durch Probieren und Übung herauskriegen.

Als nächstes die diversen Grundeinstellungen mal durchgesehen, etliche Häkchen entfernt, ich will nicht von jedem Knick und Knack benachrichtigt werden per Piep oder Pup, das spare ich mir. Ich habe nicht den Ehrgeiz, ständig und überall erreichbar zu sein. Und siehe da, ich falle auch über die Einstellungsmöglichkeit für Klingeltöne und deren Lautstärke, prima, auch geschafft. Das wird ja immer besser.

mh 21.11.2014

Jetzt wird’s aufregend

Der spannende Moment war gekommen, ich nahm das Smartphone in Betrieb. Hm, ein großer Akku, viel größer wie der in meinem Handy. Zwei(!) Kartenslots, herrje, warum zwei? Moment, da war doch was mit Dual-Sim. Also zwei SIM-Karten gleichzeitig. Feine Sache, gut dass ich zufällig zwei von den Dingern vorrätig habe. Komischerweise sind die Einschübe unterschiedlich groß, aber ich krieg die beiden Karten rein, bei einer muß ich den vorgestanzten Rahmen entfernen, dann passt die Karte. Und ein Einschub für eine SD-Karte, das kenn ich vom Handy, auch gleich eine leere, frisch formatierte 8 GB SD-Karte da rein. Und nun der spannende Moment, das Gerät einschalten.

Klappt prima, das Laden des Betriebssystem braucht einiges  länger als mein Handy, aber es klappt auf Anhieb. Ich spiele ein bisschen damit herum probiere einfach aus und tatsächlich, ich kann telefonieren damit und auch Anrufe entgegennehmen. Auch die Aktivierung des hauseigenen WLAN klappt blitzschnell nach Eingabe des Passwortes. Der Empfang und das Senden von SMS klappen nach einigen Versuchen.

mh 20.11.2014

Auch Großväter müssen mit der Zeit gehen

Schon seit vielen Jahren ist die Nutzung eines Handys für mich selbstverständlich. Der Umgang mit dem PC ist für mich kein Problem, mit Office Software kann ich umgehen und Internet, Mail, Cloud und Scanner sind für mich keine Fremdworte. Vor einigen Monaten habe ich mich dann, nach langem Zögern auch mit Facebook angefreundet und bin inzwischen auch fleißiger Betreiber eines eigenen kleinen Blogs im Internet.

Nun stand, nach langer Überlegung und creativem Anfeuern durch Kinder, Enkel und Freunde die Überlegung an, sich ein Smartphone zuzulegen. Nun, allein der Begriff „smart“ (clever, gewitzt) implementiert ja schon die zwingende Notwendigkeit der Benutzung auch durch alternde Großväter. Da ich aber auch auf mein Budget achten muss, habe ich mich eine Zeitlang umgeschaut, festgestellt, dass wohl fast alle Smartphones aus Asien kommen und mich dann für ein preiswertes Einsteigergerät entschieden.

Bestellung und Lieferung ging blitzschnell

Ein erster Blick in die beiliegende Kurzanleitung zeigt mir, dass das Wort „kurz“ hier ernst zu nehmen ist. Es werden nur die Inbetriebnahme und die vorhandenen Bedienelemente in drastischer Kürze beschrieben. Das Telefon selbst ist aus Kunststoff mit einem stabil wirkenden Metallrahmen und liegt gut in der Hand. Zu sehen sind ein Wippschalter für Lautstärke, der Ein/Aus Schalter, eine Klinkensteckerbuchse für den Kopfhörer und eine Mini-USB Anschluss- und Ladebuchse. Dazu zwei Kameraobjektive, je eines auf der Vor- und Rückseite.

Los gehts, als erstes den Akku aufladen. Kein Problem, Ladekabel in die USB Buchse und schon leuchtet ein Batteriesymbol auf und signalisiert die beginnende Ladung. Ich habe dann einstweilen mal die wirklich megakurze Betriebsanleitung und einige Internetartikel zum Gerät studiert und mich ein bisschen schlau gelesen. Ich weiß nun, das als Betriebssystem Android 4.4 kitkat installiert ist auf dem Gerät, viele Abkürzungen sind mir zwar als Begriff bekannt, aber die Bedeutung? Also heißt es suchen und lesen um zu verstehen

mh 19.11.2014

Neues vom Hochbeet

oder eigentlich nichts Neues, denn…

nachdem wir reichlich geerntet haben bis in den November hinein, liegt das Hochbeet nun leer und kahl im Garten.

Angesagt ist jetzt:

1. Abräumen der Pflanzenreste

2. Auffüllen bis zur Oberkante mit frisch gesiebter Erde

3. Herrichten eines Frühbeetes in einer Hochbeetecke

4. Säe- und Pflanzplanung für das nächste Jahr, dafür hab ich mich auf einem Infoabend der VHS Ahaus extra kundig gemacht und viele Anregungen und tolle Ideen bekommen.

5.  und dann, im nächsten Jahr, Neues von Hoff’s Hochbeet, hier und auch im „DER AHAUSER“

mh, November 2014

 

Die Pudeldame Patty, Rudelchefin der Pfotenchaoten

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Lady Patty Patricia von den Falkenhusener Glückskindern, so wurde sie von der Züchterin in Wächtersbach/Hessen benannt. Eine reinrassige recht kleine schwarz-weiße Harlekinpudelhündin, geworfen am 24.3.2000. Sie kam am 28.5.2001 zu uns als Nachfolge für Cora, eine 16jährige an Krebs verstorbene Rauhhaardackelhündin.
Patty war zunächst an einen Halter/Züchter verkauft worden, der aber mit ihr nicht die gewünschten Erfolge auf Zuchtschauen erzielen konnte. Sie wurde deshalb von ihrer Züchterin wieder zurückgekauft und an uns weitergegeben. Mit Zuchtschau und Zucht haben wir nichts am Hut.
Patty ist ganz klar ein wesensschwacher Hund. Sie hat lange gebraucht, sich an uns zu gewöhnen, hat sich dabei ganz auf ihr Frauchen konzentriert. Fressen aus einem Napf, der womöglich klappern könnte, war ausgeschlossen. Wir haben sie lange aus der Hand füttern müssen, bis sie endlich ihr Futter wenigstens vom Boden aufnahm. Aber sie ist ein richtig liebenswertes kleines Bündel geworden im Laufe der Jahre. Nicht mehr so schreckhaft, ein wenig selbstbewußter und aufgrund ihres Alters und der tapfer eingesetzten noch verbliebenen zwei Restzähne auch die Rudelchefin zuhause. Sie wirkt, wenn sie so herumhüpft und springt, noch recht jung, aber – nie lange.
Jetzt im Alter von 14 Jahren hat sie kaum noch Zähne, das Hundeherz mag nur noch mit Tablettenunterstützung so richtig pumpen und weite Spaziergänge ohne Leine sind nichts mehr für sie. Drei-viermal am Tag ums Eck, ihr kleines Revier markieren und sich lösen, mehr will sie nicht mehr. Und im Sommer genießerisch auf der Terasse in der Sonne liegen. Ansonsten am liebsten zu Frauchens Füßen oder neben ihr im Sessel schlafen. Hilfreich ist dabei, das sie auch nur noch wenig hört und auch schlecht sieht, so das sie in Ruhe und ungestört einen großen Teil des Tages verschlafen kann. Sie ist eben eine alte, in Ehren ergraute Pudeline.
Solange sie schmerzfrei ist und nicht leidet, wird sie zum Rudel gehören und bei uns sein. Wir sind uns aber klar darüber das der Tag, an dem sie über die Regenbogenbrücke geht, nicht mehr fern ist. Wir machen uns schon mit dem Gedanken vertraut ihr, wenn es soweit ist, diesen Gang zu erleichtern und sie auf dem letzten Weg zu begleiten.

 

mh, November 2014

Ein Hund mit Namen „Zwiebel“

Zugegeben, einen Hund Zwiebel zu nennen ist sicher nicht alltäglich. Wie oft werden wir angesprochen, woher dieser Name stammt, und immer wieder erklären wir gern…

halt, das Ganze von vorn und der Reihe nach.

Unsere Zwiebel ist eine PUTE, eine Mischlingshündin aus Pudel und Terrier. Geworfen Ende 2005 landete sie zunächst als Welpe in nicht so guten Händen, wo sie einiges zu leiden hatte. Eine Tierschutzeinrichtung befreite sie aus dieser Lage und nahm sich ihrer erfolgreich an. Sie entwickelte sich dort, auch mit Hilfe der alteingesessenen Hofhundedame und natürlich den liebevollen Mitarbeitern da zu einem lebhaften und unternehmungslustigen kleinen Energiebündel. Einzig die abgrundtiefe Angst vor Kindern und Jugendlichen ist ihr damals geblieben, als Folge grober Misshandlungen bei den Erstbesitzern. Diese Ängste hat sie aber im Laufe der Jahre bei uns völlig vergessen nach vielen positiven und behutsamen Erfahrungen. Heute spielt sie gern und oft mit unserem kleinen Enkel und auch ältere Kinder ängstigen sie nicht mehr, sie hat wieder Vertrauen gefasst.

Über eine Internetsuche suchten wir im Juli 2006 einen neuen Hund für die verstorbene Jenny, eine bezaubernde und besonders von meiner Frau abgöttisch geliebte Pudeldame. Wir hatten und haben immer mindestens zwei Hunde, das wollten wir auch beibehalten. Wir stießen dabei auf Zwiebel in einem norddeutschen Tierheim.
Meine Frau hat sich augenblicklich in dieses Fellbündel verliebt. Es folgte der Griff zum Telefon, lange Gespräche mit der Leiterin der Tierhilfe. Am nächsten Wochenende die Fahrt von Frankfurt in den hohen Norden zu Zwiebels Aufenthaltsort. Wir kamen dann am 15.7.2006 mit der kleinen Zwiebel, die sich uns auch ohne Zögern anschloss, nach Hause zurück. Ihren Namen hat sie übrigens von den Mitarbeitern der Tierhilfe bekommen. Als Zwiebel dort ankam, ziemlich verwahrlost und überängstlich, sind Tränen geflossen ob des elenden kleinen Hundes. Daher der Name Zwiebel, denn natürlich wollte keiner zugeben, das er wegen des Hundes Tränen in den Augen hatte, da kamen dir frisch gehackten Zwiebeln in der Küche gerade recht. Den Namen haben wir behalten für das kleine Untier. So sah sie damals aus.

20060611_Zwiebel_Wendland01Zwiebel mit ihrer Ersatzmama im Tierheim 2006

Nun lebt Zwiebel schon viele Jahre bei und mit uns und hat uns immer wieder Freude und Spaß bereitet. Einen ganz kleinen Ausschnitt könnt ihr in dem kleinen Film anschauen, der hier auch veröffentlicht ist im Thread „Pfotenchaoten“. Aber einige herausragende Besonderheiten und Ereignisse möchte ich euch nicht vorenthalten.
Zunächst, Zwiebel ist unglaublich genusssüchtig. Nichts fressbares ist vor ihr sicher und es ist schwer ihr Gewicht im Bereich von 7 Kilo zu halten, auch weil wir gern und oft mit Belohnungsleckerchen arbeiten. So hat Zwiebel im Laufe der letzten drei Jahre in Ahaus begonnen, mit großer Freude und erfolgreich auf alle möglichen Pfosten und Pfähle zu springen und auf Mäuerchen zu laufen. Neuerdings sogar auf solchen, die kaum Platz bieten für das Zwiebelhinterteil und/oder die vier Pfoten. Dort wartet sie dann kunstvoll balancierend auf ihre Belohnung. Sieht zum Brüllen aus. Reichlich über ein Meter hoch ist kein Problem, auch offene Autofenster im Familienvan sind für sie eine Herausforderung, da springt sie locker rein, wenn sie nur ihr Lob und Streicheleinheiten bekommt dafür.

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Das schönste Tagesereignis für Zwiebel ist die Begleitung beim täglichen „Zeitungsrennen“ mit Frauchen am frühen Morgen von halb vier bis fünf. Das ist für sie das absolute Highlight des Tages. Sie kennt ihr „Revier“, markiert es jeden Morgen neu und findet bis ans Jahresende jeden unter den Bäumen vergessen Apfel. Den verspeist sie dann mit großem Genuss. Völlig geknickt ist sie, wenn das Wetter sich britisch gebärdet „it’s raining cats and dogs“ und sie nicht mitrennen darf. Dann muss Herrchen tagsüber einspringen und sie auf eine Fahrradtour mitnehmen einmal durch den Riddebrook’s Busch, die große Runde. Natürlich mit Halt an der kleinen Brücke. Da dann nach Herzenslust im Bach herum plantschen und Stöckchen aus dem Wasser apportieren. So eine Riesengaudi.

Oder auch mal eine Runde mit dem Fahrrad durch die Stadt, vorzugsweise eben ein Tässchen Milchkaffe für die Menschen im Lieblingcafe, da bekommt sie immer eine Scheibe Wurst. Dann schnell mal rein gucken im Fahrradladen und natürlich mit Geduld warten vor der Metzgerei. Herrchen wagt es gar nicht, die Leckerchen für das ganze Rudel zu Hause zu vergessen, leckere Rinderknochen oder für jeden zwei Stückchen Rindergulasch. Das ist dann das Festfressen für das ganze Hunderudel und die beiden Katzen zu Hause.

Natürlich kann ich über Zwiebel und ihre Taten und Untaten noch viel mehr erzählen, im Laufe der Zeit kommen hier sicher auch noch einige Geschichten dazu. Aber für heute ist Schluss, schließlich muß ich ja auch noch über Patty, unsere Pudeldame und die beiden Katzen berichten.

die Hintergrundgeschichte zu „Schmeiss dein Auto weg“ eine Reise in die Vergangenheit

Eine Reise in die Vergangenheit – und was mich dabei bewegte

Irgendwann Mitte 2014 habe ich meinen immer heftig verteidigten Widerstand gegen Facebook aufgegeben und mir einen Account zugelegt. Prompt traf ich da natürlich auf meine Kinder und Enkel, auf alte Freunde, auf lang vergessene Namen. Und ich traf auch auf dem Umweg über meine Kinder die immer wieder aus flüchtigen Gedanken beiseite geschobenen Familienangehörigen meiner verstorbenen Frau aus dem nordöstlichen Mecklenburg–Vorpommern. Ich hole da mal ein bisschen aus, zum Verständnis für den interressierten Leser, weil die ganze Sache ist irgendwie schon ein bisschen verdreht und gekreuzt.
Der Vater meiner verstorbenen Frau hat, aus welchem Grund auch immer, ich glaube kurz vor der Geburt seiner Tochter seinen Aufenthalt in die DDR verlegt und dort später auch eine Familie gegründet. Es gab soweit ich weiß keinen Kontakt des Vaters zur Mutter oder zur Tochter. Das Jugendamt kümmerte sich um die auch damals vorgeschriebenen Unterhaltszahlungen.

Anfang der 1980er haben wir uns dann bemüht Kontakt zum leiblichen Vater herzustellen. Das war nicht so einfach weil wir überhaupt keine Hintergrundinformationen hatten. Viel Energie und Phantasie hat es benötigt beim Familiengericht und beim damals zuständigen Jugendamt endlich Informationen zum letzten bekannten Aufenthaltsort des Vaters zu bekommen.
Ich weiß noch, das meine Frau und ich an einem lauen Sommerabend bei offener Balkontür am Esstisch saßen und einen Brief an die Volkspolizei des betreffenden Bezirkes schrieben. Wir schilderten den sehnlichen Wunsch meiner Frau, ihren leiblichen Vater kennenzulernen. Und wir baten um Mitteilung des Aufenthaltsortes und der aktuellen Anschrift damit wir Kontakt aufnehmen könnten.
Etliche Wochen vergingen, wir hatten keine Hoffnung mehr auf Antwort. Aber dann kam ein handgeschriebener Brief von der Küste, von ihrem Vater, den die örtliche Polizeidienststelle über unseren Wunsch unterrichtet hatte. Es entwickelte sich ein langer Briefwechsel hin und her. Auch Telefonate gab es, nicht ganz einfach, weil das nur über Nachbarn möglich war. Irgendwann dann die damals obligatorische schriftliche Besuchseinladung. Wir fuhren zum ersten Mal in den Sommerferien 1984 mit bangem Herzen in das uns unendlich weit erscheinende kleine Örtchen an der Mündung der Peene, fast schon auf Usedom.
Mein Bruder hat uns für diesen und spätere Trips dahin generös sein Wohnmobil zur Verfügung gestellt. Der ADAC hat uns eine Route erarbeitet und das markierte Kartenmaterial für die Fahrt zur Verfügung gestellt. Meine Dienststelle hat es nicht versäumt, mir ausgiebige mündliche und schriftliche Belehrung zu den uns drohenden Gefahren in der DDR zu erteilen. Genau nach Plan sind wir dann losgefahren, von Bonn über Hamburg nach Lübeck in das für uns völlig neue (Deutsch)land. Eine Reise von immerhin ca. 750 Kilometern.
Der erste Grenzübertritt war für uns und die Kinder sehr beklemmend. Das Auto, Gepäck und Geschenke wurde genauestens untersucht, Papierkrieg und Zwangsumtausch erledigt. Dann die lange Fahrt über meist rumpelige Landstraßen, oft herrliche Baumalleen, immer entlang der Küste. Trabbi’s ohne Ende, ungewohnter Auspuffgestank, Riesenstau in Rostock am Hafen vorbei. Ich erinnere mich an endlose schnurgerade Straßen, an viele Bahnübergänge, wo die für uns ungewohnte Geschwindigkeitsbegrenzung peinlich genau eingehalten wurde. Durch Stralsund und Greifswald, immer weiter ostwärts. Irgendwann sind wir dann abgebogen von der Überlandstraße in Richtung Wolgast. Und wieder abgebogen in Richtung Anklam, nun konnte es nicht mehr weit sein. Immer mehr Herzklopfen bei uns allen, wie würde es sein, dort anzukommen. Und irgendwann, eine schöne schmale Baumallee, ein Wäldchen auf der linken Seite und dann unser Ziel, ein paar Häuser, eine große strohgedeckte Scheune mit Storchennest, mehr nicht. Und dann der Moment der Begegnung, der Anblick meiner überglücklichen Frau mit ihrem Vater. Der Gedanke daran treibt mir heute, dreißig Jahre später, noch die Tränen in die Augen.

Es sieht da heute noch fast genauso aus wie 1984, ein wenig farbenfroher ist es heute

So ist das gewesen damals, wir sind dann in den Folgejahren noch einige Male dort hingefahren und haben dort an der Peenemündung wunderschöne Urlaubstage verbracht. Die lange Reise war immer sehr anstrengend und die Grenzübertritte nach wie vor aufregend und besonders für die Kinder belastend, Außerdem hat der allgegenwärtige Zwangsumtausch unser schmales Budget ganz schön gebeutelt, aber das war es allemal wert wert.

Nach der Wende waren dann endlich auch Gegenbesuche möglich. Wir hatten Gelegenheit, unsere Gäste in noch unbekannte Eigenschaften unserer sogenannten Marktwirtschaft einzuführen und ein bisschen das wiedergutzumachen, was sie uns an Gastfreundschaft schon gewährt hatten. Der letzte Besuch im Jahr 2000 galt dann der Beisetzung meiner Frau in Ahaus. Danach riss die Verbindung ab bis zum Herbst 2014.

Der erste Besuch nach vielen Jahren (siehe dazu die Geschichte hier „schmeiß dein Auto weg“) war eine einzige riesengroße Freude und drei wunderbare Tage voller Erinnerungen. Anlass genug für mich, gelegentlich auch die schönen und auch lustigen Erinnerungen an die vielen dort verbrachten Besuchs- und Urlaubstage niederzuschreiben. Und natürlich Anlass, es nicht bei diesem einen Besuch zu belassen, es werden weitere folgen.

mh, im November 2014

Maffja von der Hühnersteppe, genannt Matzi

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Dieses kleine krummbeinige Ungeheuer schneite im Jahr 2010 kurz nach unserem Zuzug hier nach Ahaus unter seltsamen Umständen bei uns ins Haus. Ihre Besitzerin hatte wohl festgestellt das Matzi aufgrund körperlicher Merkmale nicht für Zucht und Ausstellung geeignet ist und sich mit einem Überraschungsangriff ihrer bei uns entledigt. Auf Mal war Matzi da.

Eigentlich hatten wir wohl genug Hunde, aber wo drei satt werden, kann auch der vierte noch mit fressen. So ist Matzi, die kleine russische Kaninchendackeline dann bei uns eingezogen. Es war sicher nicht leicht für sie, sich in das schon bestehende Rudel einzugliedern. Aber die anderen drei haben sie dann doch nach einigem Zögern aufgenommen.

Matzi war und ist ein fürchterlicher Angsthase und Schreihals, nach dem Motto große Klappe, nix dahinter. Alles was sie nicht kannte führte zu sofortiger von lautem Schreien begleiteter Flucht mit gesträubtem Rückenfell. Ob Kind, anderer Hund, ein wirbelnder Papierfetzen oder gar ein Fahrradfahrer, alles war ihr nicht geheuer und löste Fluchtreflexe und Angstgeschrei bei ihr aus. Wir haben so manchen Kilometer rennend hinter ihr zurückgelegt, um sie zu beruhigen und wieder einzufangen. Ganz langsam, mit viel Geduld und Bergen von belohnenden Leckereien haben wir sie nun soweit, das sie nicht dauernd davonrast, sondern nur noch heftig bellt und ihre schuhputztaugliche Bürste aufstellt. Sogar einen vorbei fahrenden Fahrradfahrer kann sie inzwischen sogar ignorieren bei gutem Zureden.

Matzi beherrscht perfekt das Mäuse fangen und anschließende -verspeisen. Da macht sie unseren Katzen glatt Konkurrenz. Nicht wirklich schön, aber das liegt nun mal in ihrer Natur. Die im Haus lebenden zwei Katzen kann sie aber, trotz einer gewissen Seelenverwandtschaft überhaupt nicht leiden, ist denen aber nicht gewachsen. Im Laufe der Zeit hat sie gelernt, Katzen nicht mehr anzugreifen, weil sie doch etliche Male heftige Ohrfeigen kassiert hat von denen. Nur wenn Katzenhasser Etzel auf die Katzen losgeht, rast sie brüllend hinterher und fühlt sich als Siegerin, weil – vor Etzel haben die Miezen Respekt und flüchten blitzschnell, denn der packt zu und hat schon so manches Mal das Maul voller Katzenhaar gehabt, blind hin oder her.

Aber anstatt Etzel dankbar zu sein für seine Hilfe beklaut Matzi ihn immer wieder gern. Etzel bekommt seine Leckerchen und seinen Knochen natürlich genauso wie die anderen Hunde auch. Weil er aber nicht mehr alles so richtig mitkriegt und nichts sieht ist Matzi blitzschnell dabei und klaut ihm seine Sachen und schleppt sie weit weg außer Nasenreichweite in ihre Ecke.

Überhaupt ist diese russische Zickendiva ein wahres Klautalent, ob es nun um Etzels Sachen geht oder Futter und andere Gegenstände. Was sie irgendwo „erdieben“ kann nimmt sie sofort in Besitz. Über Stühle und Hocker springt dieser Springdackel in unbeobachteten Momenten auf Tische, immer auf der Suche nach freß- oder wenigsten zerstörbaren Gegenständen. Ein Stück Pizza, ein Plätzchen oder auch mal ein Kugelschreiber oder ein Notizblock werden von ihr fachgerecht zerlegt. Darum stehen bei uns die Stühle entweder unter dem Tisch oder weit genug weg.

So haben wir oft unsere liebe Not mit der kleinen Russin und mussten sie schon manches Mal von ungenießbaren Gegenständen entbinden vor oder nach Passage der Verdauungsorgane. Und auch eine recht ansehnliche und umfangreiche Rechnung der Tierklinik Hochmoor verdanken wir ihrer Gier. Aber Matzi ist und bleibt ein unnachahmliches kleines Dackelmädchen, wir möchten sie nicht missen.

Unsere Matzi eben!

mh, im Oktober 2014