Zwiebel ist weg – Alarm

 

*langsam geht der Blutdruck wieder runter“
hat uns doch heute abend unsere Zwiebel einen bösen Streich gespielt. Das hat sie in ihren bisherigen neun Lebensjahren noch nie gebracht. Haut einfach ab, verlässt heimlich das Haus und geht schwoofen.

Wir haben das irgendwann gemerkt und erstmal auf der Suche nach ihr das Haus und den Garten auf den Kopf gestellt. Nichts!     Hmmm! raus vor die Tür, gepfiffen, gerufen, gesucht. Nichts!      Langsam steigt der Blutdruck, wo ist die Kampfratte hin.

Wenn sie verlorengeht, sie trägt ein Halsband mit Namen und meiner Handynummer, ausserdem ist sie auch gechipt und bei Tasso angemeldet. Je länger wir suchen, ich inzwischen auf dem Fahrrad in der weiteren Umgebung, die Mädels zu Fuß im Umkreis, desto irrer die eigenen Gedanken. „Und wenn die nu einer mitgenommen hat, ist doch so eine Süße. Oder wenn die in einer Lebendfalle festsitzt wie letztes Jahr schon mal? “ Herrje, da merkt man erst, wie man an so einem Kerlchen hängt.


Kurz vor der Explosion der ersten Herzkranzgefäße biegt das Untier um die Ecke, fröhlich und quietschfidel, als könnt sie kein Wässerchen trüben, die Mocke. Egal, wir sind ungeheuer erleichtert, das wir unsere Zwiebel wiederhaben und werden ab sofort besser aufpassen, wenn wir die Haustür öffnen!!

Der Taschentaser

Taserstory, Verfasser unbekannt aber trotzdem dickes Lob für diese Selbstversuchstory

Nur ein Mann würde dies versuchen!

Taschen-taser Elektroschockpistole, ein Super-Geschenk für die Frau.
Ein Mann, der seiner lieben Frau zum Hochzeitstag einen Taschen-Taser gekauft hat,, schrieb daraufhin des Folgende:

Letztes Wochenende ist mir in Larry´s Pistolen und Pfandladen etwas aufgefallen, das sofort mein Interesse weckte. Der Anlass war unser 15. Hochzeitstag und ich war auf der Suche nach etwas Besonderem für meine Frau: Ich stieß auf einen 100.000-Volt Elektrotaser in Taschengröße.

Die Auswirkungen des Tasers sollten wohl nur von kurzer Dauer sein und keinerlei langzeitige Folgen hervorrufen, wodurch Julie dann aber genug Zeit hätte sich in Sicherheit zu bringen….?

SO WAS COOLES GIBTS JA WOHL NICHT!
Lange Rede kurzer Sinn, ich kaufte das Gerät und nahm es mit nach Hause-
Ich legte 2 AAA Batterien in das Gerät und drückte den Knopf- NICHTS!
Ich war total enttäuscht. Schnell fand ich jedoch heraus, dass ein blauer elektrischer Lichbogen zwischen den Gabeln entstand, wenn ich das Gerät auf eine metallische Oberfläche hielt, während ich den Knopf drückte. GEIL!

Leider wartet Julie immer noch auf eine Erklärung für die beiden Brandpunkte auf der Vorderseite ihrer Mikrowelle. Okay, ich war also alleion zu hause mit diesem neuen Spielzeug und dachte mir, dass es ja wohl nicht schlimm sein kann, es waren ja schließlich nur 2 AAA Batterien, stimmt´s?

Da saß ich also in meinem Liegestuhl, meine Katze  schaute mich aufmerksam an (treue kleine Seele), während ich mir die Bedienungsanleitung durchlas und mir dachte, dass ich dieses Gerät definitiv an einem richtigen Zielobjekt aus Fleisch und Blut testen muss.
Ich geb es ja zu, der Gedanke die Katze zu tasern war da (aber nur für den Bruchteil einer Sekunde), aber die Vernunft hat natürlich gesiegt. Sie ist so eine liebe Katze. Aber ich musste natürlich sicher gehen, dass dieses Teil auch hielt, was es versprach. Schließlich war ich drauf und dran es meiner Frau zur Selbstverteidigung gegen Verbrecher zu geben. Das ist ja wohl richtig so, oder?
So saß ich also da in meinen Shorts und Trägerhemd, Lesebrille vorsichtig auf dem Nasenrücken positioniert, in einer Hand die Bedienungsanleitung, in der anderen den Taser.

Laut Bedienungsanleitung sollte ein Stoß von einer Sekunde reichen um den Gegner zu desorientieren; ein zwei Sekunden Schlag sollte Muskelkrämpfe und Kontrollverlust über den Körper hervorrufen und drei Sekunden sollten dazu führen, dass der Gegner wie ein gestrandeter Wal am Boden liegt und nichts mehr bewegt.
Alles über drei Sekunden wäre Batterieverschwendung.
Die ganze Zeit habe ich dieses Gerät im Auge, das etwa 12 cm lang ist und einen Umfang von ca. 2 cm hat (und dann auch nur 2 winzig kleine AAA Batterien); eigentlich recht niedlich. Ich konnte es einfach nicht glauben.
Was dann passierte ist wirklich kaum zu beschreiben, aber ich gebe mein Bestes…

Ich sitze da allein, die Katze schaut mich an, ihren Kopf leicht zur Seite gedreht als wenn sie sagen will „Tu es nicht du Idiot!“. Ich komme zu dem Schluss, dass ein Stoß von nur einer Sekunde von so einem winzigen Teil ja wohl nicht gerade große Schmerzen hervorrufen kann. ich entscheide mich also mir selbst einen Stromschlag von einer Sekunde zu verpassen. ich halte die Gabeln an meinen nackten Oberschenkel, drücke auf den Knopf und… ACH DU HEILIGE SCHEIßE…MUTTER DER MASSENVERNICHTUNGSWAFFEN… WAS ZUM…!!!!!

Ich weiß danz genau, dass Hulk Hogan in dem Moment durch die Hintertür gekommen ist, mich in meinem Liegesessel hochgehoben hat und uns dann beide mit voller Wucht auf den Teppich geschleudert hat. Und das immer und immer wieder. Ich erinnere mich vage daran, in Fötenstellung aufgewacht zu sein, mit Tränen in den Augen, mein Körper war klatschnass, meine beiden Nippel rauchten, meine Weichteile waren verschwunden. Mein linker Arm war in einer ziemlich unkonventionellen Stellung unter meinem Körper eingeklemmt und meine Beine kribbelten.

Die Katze machte Geräusche die ich noch nie zuvor gehört hatte, sie hatte sich am Bilderrahmen über dem Kamin festgekrallt. damit hatte sie wohl versucht meinem Körper auszuweichen, der sich zuckend quer durchs Wohnzimmer geworfen hat.
Nur zur Anmerkung: Sollten sie jemals den Zwang verspüren sich selbst zu tasern, sollten sie folgenes beachten: Es gibt so etwas wie Ein-Sekunden-Schlag nicht, wenn man sich selbst tasert. Sie werden dieses verdammte Ding nicht loslassen bis es durch das wilde umherwirbeln am Boden aus ihrer Hand geschlagen wird! Ein Drei-Sekunden-Schlag wäre in diesem Fall noch sehr zurückhaltend. Etwas eine Minute später (ich bin mir nicht genau sicher, da die Zeit in dem Moment relativ war), sammelte ich meinen Verstand (was noch übrig war), setzte mich auf und begutachtete meine Umgebung.

Meine verbogene Lesebrille lag auf dem Kaminsims. der Liegesessel war auf den Kopf gedreht und etwas zweieinhalb Meter von seiner ursprünglichen Position entfernt.
Mein Trizeps, rechter Oberschenkel und beide Nippel zuckten noch immer.  Mein Gesicht fühlte sich an als stände es unter Vollanästesie und meine Unterlippe wog 88 kg.
Anscheinend hatte ich meine Shorts vollgeschissen, aber alles war zu betäubt um sicher zu sein und riechen konnte ich auch nichts mehr. Ich sah noch eine leichte Rauchwolke über meinem Kopf, welche- glaube ich- aus meinen Haaren kam. Ich bin noch immer auf der Suche nach meinen Weichteilen und habe eine hohe Belohnung ausgesetzt, damit sie sicher wieder nach Hause finden.

PS: Meine Frau kann nicht aufhören über den Vorfall zu lachen, liebt das Geschenk und benutzt es regelmäßig um mir zu drohen.

Pfotenchaoten mit weichem Fell

zu den Pfotenchaoten am Lönsweg gehören auch noch zwei Katzen, beide rabenschwarz und nicht unbedingt sehr zugänglich. Beide sind sogenannte Außenkatzen, sie leben nicht im Haus sondern haben freien Ausgang, wann immer sie wollen. Beide sind kastriert, kerngesund, verteidigen ihr Revier hier und prügeln sich regelmäßig miteinander, erkennbar an kahlen Stellen im Fell und dicken Fellknäueln im Keller. Außerdem ist das Geschrei durchaus aufweckend nachts, wenn die zwei sich mal wieder fetzen.

Erstmal Tiny, sie ist ein Überbleibsel aus einer großen Katzenfamilie in früheren Zeiten hier im Haus. Tiny ist relativ scheu, kommt eigentlich nur nachts und zum fressen ins Haus und lässt sich nur ungern streicheln. Manchmal genießt sie es, aber dann schlägt sie wieder unvermittelt mit ihrer Krallenpfote zu, so das durchaus mal Blut fließt. Wir lassen sie in Ruhe, dann fühlt sie sich am wohlsten. Im Keller hat sie einen Schlafplatz, auf den sie sich zurückzieht bei schlechtem oder kaltem Wetter. Um unsere Hunde macht sie einen großen Bogen, die mag sie überhaupt nicht.. Über Nacht schläft sie dann oft neben ihrem Futternapf auf der Anrichte im Wohnzimmer, für die Hunde unerreichbar. Früher spazierte sie auch gern mal auf der Küchenarbeitsfläche herum, das haben wir ihr allerdings aus hygienischen Gründen mit dem Einbau einer Glas-Absperrplatte inzwischen vermiest. Katze und Küche vertrug sich in den Augen unserer beiden Köche nicht und wo die recht haben haben die recht, außerdem würzen Katzenhaare nicht wirklich. Ansonsten ist unsere Tiny weitgehend unauffällig, aber immer präsent, wehe, da steht abends kein Futter für sie parat, dann gibt’s was auf die Ohren. Also eine wirklich auffällig unauffällige Pfotenchaotin.

Ganz anders ist Lupina. Ebenfalls rabenschwarz, mit einem kleinen weissen Kehlfleck ist sie ganz anders wie Tiny. Sie kam als Jungkatze zu uns, aus einer Tierarztpraxis. Zunächst als reine Hauskatze, damals wohnten wir noch in der Nähe von Frankfurt in der Stadt. Sie war verspielt, stubenrein, jagte durch die Wohnung, apportierte sogar mit großer Freude Bällchen. Den Umzug nach Ahaus zum Lönsweg in ein Katzenparadies hat sie dann problemlos gemeistert. Hier lassen die Umstände es zu, das sie draußen frei und ungebunden herumsaust. Daran hat sie sich schnell gewöhnt und ihr eigenes Revier erobert. Katzenklappen ermöglichen ihr einen Zugang durch den Keller ins Haus bis ins Treppenhaus vor unserer Wohnungstür. Da ist inzwischen Schluß, weil sie früher immer alle mögliche Beute ins Wohnzimmer schleppt und dort gleichmäßig verteilt. Leute, glaubt mir, es gibt nichts schöneres, wie morgens um drei schlaftrunken mitten im Flur barfuß auf eine halb aufgefressene tote Maus zu treten oder beim Öffnen der Terrassentür eine Federwolke neben einem toten Vogel durchs ganze Wohnzimmer aufzuwirbeln. Im günstigsten Fall sind das irgendwelche leichtsinnigen Vögel, bis hin zur Taube. Ratten und Mäuse natürlich in Mengen, auch mal ein leichtsinniges Jungkaninchen. Alles durch die Katzenklappe ins Wohnzimmer gezerrt, bis wir die umgebaut haben, jetzt kann sie da abends nur noch raus, nicht mehr rein. Seitdem ist Schluß mit den toten Viechern in der Wohnung, die liegen jetzt eher mal auf der Treppe. Wenn wir da runtergehen sind wir aber wach und kriegen das rechtzeitig mit…….meistens.
Lupina ist vom Verhalten fast wie ein Hund, das hat sie sich sicher bei unseren abgeguckt. Total verschmust begehrt sie Platz auf unserem Schoß beim Fernsehen und lässt sich ausgiebig knuddeln, von den Hunden eifersüchtig beobachtet. Wenn wir frühmorgens um fünf nach dem Zeitungsrennen wieder nach Hause kommen erwartet sie uns zusammen mit den beiden Hunden. Wir gehen dann zusammen Morgengassi, Katze und Hunde dabei wild umeinander her rennend und spielend. Dann verlangt sie genau wie die beiden Hunde ihr frisches Morgenfutter, ehe sie sich, bevorzugt in unserem Kleiderschrank, nicht etwa auf den eingerichteten Katzenruheplätzen, zur ausgiebigen Morgenruhe begibt. Abends, bevor sie zur Reviererkundung das Haus verläßt, erwartet sie dann selbstverständlich frisches Trockenfutter. Die Reste vom Tag überlässt sie großzügig den beiden Hunden, die sich da gern drum schlagen. Wie war das, Katzen haben nicht Herrchen und Frauchen sondern Katzen haben Personal. Irgendwie ist da was dran.
So sind unsere Pfotenchaoten vom Lönsweg, nicht nur die vier Hunde, sondern auch die beiden Miezen gehören dazu. Auch sie möchten wir nicht missen, auch wenn man über eine jagende Aussenkatze durchaus streiten kann. Das gehört aber nicht hierhin…..

Zwei Wochen später…..

nach etlichen Wutanfällen und sicherlich zehnmal „auf den Werkszustand zurücksetzen“ ist es nun vollbracht.

Ich habe meinem Smartphone endlich klarmachen können, das ich nicht alles von Google sehen und lesen will. Dafür hat mir das Smartphone beinhart beigebracht, das so einiges von Google für seine Lebensfunktionen unverzichtbar ist und deshalb weder deaktiviert noch gelöscht werden darf.

Dafür durfte ich beim ausgiebigen stöbern und surfen im Internet lernen, das man dem Teil durchaus das dauernde „nach Hause telefonieren“ abgewöhnen kann bzw. es fast komplett auf das heimischer WLAN beschränken kann. Gut, ich bin kein Geschäftsmann, der permanent auf neueste Nachrichten, Börsenkurse, Emailverkehr usw. angewiesen ist, das macht die Sache schon ein wenig leichter. Notfalls gibts ja noch Hotspots, wo man sich dann auch mal ausserhalb einloggen kann.

Seit gestern ist dieses Smartphone  nun offiziell mein ständiger Begleiter, wir haben immer noch (lösbare) kleine Reibereien, aber wir feinden uns nicht mehr an. Als nächsten Schritt werde ich mich nun mit den zahlreichen sinnlosen und auch sinnvollen Apps befassen, die es da gibt. Viel Speicherplatz hat das Biest ja nicht, aber das ein oder andere werde ich ausprobieren.

PS: angenehmer Nebeneffekt, ich poliere mit der ganzen Sache auch noch meine arg eingerosteten Englischkenntnisse wieder auf, mehr der Not als der eigenen Tugend gehorchend.

 

mh, 12.12.2014

Facebook ade – nun doch nicht :-)

wir haben lange und mit vielen Bekannten und Freunden diskutiert über unseren begründeten Abschied von Facebook und sind dabei auf mindestens genausoviele Meinungen und Standpunkte gestoßen wie Diskussionspartner. Das Ende „vons Ganze“, wir haben unsere Accounts heute wieder aufleben lassen, gute Freunde haben uns überzeugt.

Es gibt eine Fülle von Gründen, die gegen Facebook sprechen, aber wir haben auch viele Gründe gehört, die für Facebook sprechen. Und insbesondere ich habe eingesehen, das moderne Kommunikation eben nicht mehr nur auf persönlicher Kommunikation quasi „vor Ort“ stattfindet, sondern ebensoviel auch in den sogenannten „Social media“ wie Facebook, Twitter und Skype, um nur einige zu nennen. In der heutigen modernen und schnellebigen Zeit wohl unverzichtbar, auch wenn diese Einsicht für mich als Angehörigem der älteren Generation schwer war.

Den Facebookaccount klug nutzen, mit so wenig persönlichen Daten wie möglich und so vielen wie nötig ist sicher sinnvoll. Dazu kommt, das dabei, zumindest bei mir, der Spaß nicht zu kurz kommt.

mh 12.12.2014

Zeitungskrise

Zeitungskrise In eigener Sache

Die Zeitungen stecken in der größten Krise ihrer Geschichte. Das liegt nicht nur am Internet. Anlass genug, über unsere eigene Branche nachzudenken.

10.08.2014, von Patrick Bernau, Rainer Hank und Winand von Petersdorff

Nachrichten- und Meinungsvielfalt: Am Bahnhofskiosk ist die gute alte Welt der Papierzeitung noch in Ordnung.

Ella ist jetzt 22 Jahre alt. Sie studiert Englisch und Spanisch, ist an Politik interessiert. Ella ist Tochter einer Lehrerin und eines Wirtschaftsjournalisten (der diesen Artikel mit verfasst hat). Der Vertriebsstratege eines Zeitungsverlages würde sagen: Ella gehört zur Kernzielgruppe von morgen. Genetisch, von der Prägung her und sowieso.

Wenn er da mal nicht falschliegt: Die junge Frau, die schon längst in einer WG lebt, hat noch nie in ihrem Leben eine Zeitung gekauft.

In der Familie, in der Ella aufgewachsen ist, wurde immer Zeitung gelesen: die überregionale Zeitung, dazu das Lokalblatt, am Montag oft der „Spiegel“ und gelegentlich der „Kicker“. Der Zeitungskonsum war beruflich motiviert, aber vor allem war er Teil des Lebensstils. Die Eltern verschwanden zum Ende des täglichen Frühstücks hinter Zeitungsseiten. Sie grunzten Zustimmung, Empörung oder drückten eine Überraschung aus: „Hast du das gelesen?“ „Unglaublich!“

Ella kauft keine Zeitung, aber gelegentlich liest sie Zeitung. Damit ist sie im Einklang mit den Mitstudenten aus ihrem Freundeskreis. Die lesen auch alle selten bis nie Zeitung. Gerade noch zehn Minuten am Tag widmen die 14- bis 29-Jährigen heute im Schnitt der Zeitungslektüre. Ihre Eltern reservieren dafür dreimal so viel Zeit. Das geht aus der ARD/ZDF-Langzeitstudie „Massenkommunikation 2011“ hervor.

Ellas Tag beginnt mit dem Griff nach dem Smartphone, das immer neben ihrem Bett liegt. Sie prüft, ob sie neue Whatsapp-Nachrichten bekommen hat, und geht auf Facebook. Zum Duschen hört sie gerne Musik, die von Spotify kommt. Danach und manchmal schon vor dem Duschen stellt sie den Fernseher an fürs Morgenmagazin. Dort folgt sie sogar den Nachrichten. Sie will schon wissen, was los ist in der Welt. Im Lauf des Tages kommt sie deshalb gelegentlich auf tagesschau.de oder heute.de vorbei. Manchmal schaut sie auf dem Handy auch die Tagesschau.

Ella ist eine Gefahr für die Verlage, unmittelbar und langfristig. Das liegt daran, dass die Zeitung in einer Hinsicht der Zigarette ähnelt: Man muss die Kundschaft im jungen Alter anfixen, um sie zu Gewohnheitskonsumenten zu machen. Sonst sind Hopfen und Malz verloren. Teure Werbegeschenke wie Grillgeräte, Armbanduhren oder andere Verführungen ohnehin.

Gedruckte Zeitungen befinden sich in der bisher schwersten Krise ihrer Geschichte. Und zwar nicht erst, seit sich nach der Jahrtausendwende das Internet mit Aplomb im Leben von Ella und ihren Generationsgenossen breitgemacht hat. Den Zenit überschritt die Branche schon in den Jahren 1982/1983. Damals betrug die (gesamtdeutsch kumulierte) Auflage aller Zeitungen gut 30 Millionen Exemplare. Dreißig Jahre später, im Jahr 2013, werden nur noch 17 Millionen Exemplare der Tagespresse an potentielle Leser verkauft. Das sind lediglich 57 Prozent des damaligen Allzeitgipfels, es entspricht in etwa der Verbreitung der Zeitungen im Jahr 1957. Am Internet alleine kann der Niedergang also nicht liegen.

Bloß dass Anfang der achtziger Jahre niemand die Wende bemerkt hat. Denn die Kultur des Zeitungslesens war in jenen Jahren noch intakt. Und die satten Anzeigen brachten den Verlegern ordentlich Geld. In den bürgerlichen Familien Deutschlands wurde die F.A.Z. oder die „Welt“ gelesen, der Boulevard hatte seine „Bild“ oder den „Express“. Wer sich links fühlte, griff zur „Frankfurter Rundschau“ oder zur „Zeit“, und aus der alternativ-grünen Szene war 1979 die „tageszeitung“ (taz) erwachsen, hierzulande die letzte erfolgreiche Neugründung einer überregionalen Tageszeitung. Die „Neue Zürcher Zeitung“ (gegründet 1780!), die wir als Studenten in der Schweiz lasen, bot ihren Lesern bis in die siebziger Jahre sogar eine Morgen- und eine Abendausgabe mit jeweils komplett neuen Artikeln.

Wer in dieser guten alten Zeit der selbstbewussten Zeitungskultur aufgewachsen ist und später selbst Journalist wurde (für zwei der drei Autoren dieses Artikels trifft das zu), dem geht die derzeitige Krise der Zeitungen nahe. Wenn wir Wirtschaftsjournalisten über die eigene Branche schreiben, hat das, ob wir wollen oder nicht, seine eigene Befangenheit, kann nicht wirklich „objektiv“ sein. Doch nicht darüber zu berichten ist auch keine Lösung.

Wie gesagt, die Geschichte des Niedergangs fängt längst vor dem Siegeszug des Internets an. Aber seit die meisten Haushalte einen Internetanschluss haben, hat sich das Tempo des Auflagen- und Anzeigenrückgangs rapide beschleunigt: In nur zehn Jahren, von 2004 bis 2014, schrumpfte die verkaufte Auflage der Tages-, Sonntags- und Wochenzeitungen in Deutschland um mehr als sechs Millionen Exemplare. Was ist passiert?

Fragen wir einen der Nostalgie unverdächtigen Zeugen – den Chefökonomen des Internetkonzerns Google, Hal Varian. Der Mann, ein Profiteur der Zeitungskrise, hat vor einem Jahr in Mailand einen spektakulären Vortrag über „die Ökonomie des Zeitungsgeschäfts“ gehalten, ausgerechnet als Laudator auf zwei Journalisten. Wenn Zeitungen nicht bald anfingen, kreativ zu experimentieren, könnten sie ihren Herausforderungen nicht trotzen, sagt Varian. Es ist ziemlich ernst: Den ersten Schlag versetzten Kabel- und Satellitenfernsehen den Zeitungen; dann kam das Internet. Es ist ja nicht so, dass der Medienkonsum der Menschen insgesamt zurückginge. Im Gegenteil: Es wird immer mehr gesurft, geguckt, gespielt, gedaddelt. Ganze zehn Stunden täglich vertreiben sich die Bundesbürger ihre Zeit mit irgendwelchen Medien. Aber Zeitung lesen sie immer weniger.

Und Zeitunglesen ist immer teurer. Im Netz lassen sich Informationen viel billiger verbreiten. Die Hälfte der Kosten einer Papierzeitung entstehen durch Druck und Vertrieb. Es braucht große, schwere, teure Maschinen, um die Zeitungsbögen zu drucken. Dann müssen die fertigen Exemplare auf Lastwagen oder in Flugzeuge verfrachtet werden, um am nächsten Morgen von den Austrägern zu den Kiosken und in die Briefkästen der Abonnenten verteilt zu werden. Das verschlingt nicht nur Kapital- und Personalkosten, es dauert auch. Seit dem Internet muss niemand mehr so lange warten, um an die neuesten Informationen zu kommen. „Online-Informationen sind frischer, billiger und jederzeit auf dem Handy zu haben“, sagt Google-Mann Varian. Dabei haben genau diese Vorteile des Internets einst herkömmliche Zeitungen attraktiv werden lassen.

Wer Tageszeitung liest, ist gerade kein Spezialist

Zeitungen waren schnell, billig und ein Massenmedium. Ihren größten Triumph (was nicht mit der größten Auflage identisch ist) erlebten sie an der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert. „Damals waren Zeitungen einfach cool“, sagt der Bamberger Kommunikationswissenschaftler Rudolf Stöber.

Weil damals endlich fast alle Menschen in Deutschland lesen und schreiben konnten, wurden Zeitungen zum billigen Kommunikationsmittel für jedermann (man bekam sie für ein paar wenige Pfennige); sie enthielten zudem das Versprechen des sozialen Aufstiegs. Wer sich ein Zeitungsabonnement leisten konnte, der hatte es geschafft und konnte sich sehen lassen. Man muss sich das so vorstellen wie heute das iPhone und iPad (oder vor ein paar Jahren den Blackberry), Statussymbole, mit denen man Coolness und Zugehörigkeit zu den angesagten Kreisen signalisiert.

Immer schon war Zeitunglesen mehr als nur „Informationsbeschaffung“. In den Lesegesellschaften des 18. Jahrhunderts, den Kaffeehäusern des 19. Jahrhunderts, Zeitung ist eine Lebensform, in der sich die bürgerliche Öffentlichkeit herausbilden konnte. Moderne Zeitungen, sagt Forscher Stöber, zeichnen sich durch Aktualität, Periodizität, Publizität und Universalität aus. Sie dienen der kritischen Aufklärung.

Wer eine Tageszeitung liest, ist gerade kein Spezialist. Er ist ein Flaneur, jemand, zu dessen Selbstverständnis zählt, sich für das ganze enzyklopädische Spektrum der Neuigkeiten und ihrer Deutung zu interessieren, sei es in Politik, Sport, Wirtschaft oder Kultur. „Lass mal sehen, was die heute haben“, das ist die Haltung des neugierig flanierenden Lesers. „All the news that’s fit to print“, heißt der Wahlspruch der „New York Times“ seit 1851 – eine Sentenz, die der Wiener Polemiker Karl Kraus kongenial eindeutschte: „Gut, dass in der Welt täglich stets so viel passiert, dass es gerade in eine Zeitung passt.“

Kein Wunder, dass angesichts des aufklärerischen Impulses der Zeitungen die Herrschenden bis heute immer wieder versuchen, durch Pressezensur kritische Gedanken zu unterdrücken – letztlich erfolglos, nachdem die Pressefreiheit in vielen demokratischen Verfassungen als Grundrecht garantiert wurde.

Zeitungen bescherten ihren Eigentümern viele Jahrzehnte satte Gewinne. Das liegt vor allem daran, dass sie von ihren Anfängen an zwei Kanäle der Finanzierung nutzten. Der Leser zahlt am Kiosk oder als Abonnement nicht den vollen Preis, weil sich der Anzeigenkunde, der in der Zeitung Werbung schaltet, an der Finanzierung beteiligt. Der Leser ist dafür sogar dankbar, nicht nur, weil die Zeitung für ihn billiger wird, sondern weil er auch gerne wissen will, wer in der Stadt gestorben ist, wer eine Wohnung zu vermieten oder eine Arbeitsstelle anzubieten hat. Solche Informationen lieferten ihm die Anzeigen.

Geld bringt Unabhängigkeit“

Auflage und Reichweite bringen Werbung, Werbung bringt Geld – und Geld bringt Unabhängigkeit“, so lautete der Schlachtruf des ungarisch-amerikanischen Verlegers Joseph Pulitzer. Die lukrativen Nachkriegsjahre, bezogen auf die Erlöse (nicht die verkaufte Auflage) dauerten hierzulande bis zum Jahr 2000, dem Jahr der höchsten Anzeigeneinnahmen. Damals konnte man sich als Faustformel merken, dass sich die Zeitungsumsätze zu zwei Dritteln aus Anzeigen und zu einem Drittel aus Vertriebserlösen speisten. Allerdings wäre es ein Missverständnis, dies als historischen Normalfall anzusehen. In der jahrhundertelangen Geschichte der Zeitungen übertrafen die Werbeerlöse den Vertrieb lediglich von 1880 bis zum Ersten Weltkrieg und danach noch zwischen 1958 und 2005, präzisiert der Kölner Zeitungsforscher Andreas Vogel.

Mittlerweile ist es umgekehrt, die Vertriebserlöse machen im Durchschnitt 60 Prozent des Umsatzes aus. Weil die Zeitungslektüre gerade bei den für die Werbung relevanten Lesern immer kürzer wird, sind die Werbekunden nicht mehr bereit, hohe Anzeigenpreise zu zahlen. Sie verlangen üppige Rabatte und beklagen lauthals, dass die sogenannten Streuverluste ihrer Reklame in der gedruckten Zeitung viel höher sind als im Internet, wo man sich passgenau seiner Zielgruppe anschmiegen kann, wenn nicht sogar seinem Zielkunden.

Allein in den Jahren 2010 bis 2013 sind den Zeitungen die Einnahmen aus der Werbung von gut 3,6 auf 2,9 Milliarden Euro zusammengebrochen, bei insgesamt steigenden Werbeaufwendungen – eine Spirale nach unten, die an Geschwindigkeit zunimmt. Inzwischen sitzt in den Werbe- und Mediaagenturen eine Generation von Managern und „Kreativen“, die selbst auch keine Zeitung mehr liest.

Die zur Jahrtausendwende endenden Boomjahre der Zeitungen waren in Deutschland aber auch noch in anderer Hinsicht für die Verleger goldene Jahre. Nach dem Zweiten Weltkrieg brauchte, wer Zeitungen drucken wollte, eine Lizenz durch die Besatzungsmächte. Die westlichen Siegermächte waren sich einig, eine neue deutsche, demokratische Presse zu schaffen, die keine Bindung mehr an die unselige Tradition der Nazis haben sollte, und nahmen sich deshalb das Recht der Zensur und Lizenzerteilung heraus.

Faktisch bedeuteten diese Lizenzen für die glücklichen Verleger einen willkommenen Schutz vor Wettbewerb. Wer eine solche Erlaubnis ergatterte – Rudolf Augstein, Axel Springer oder Henri Nannen sind die prominenten Helden –, der war bald wirtschaftlich ein gemachter Mann. Als nach 1949 jeder einen Verlag betreiben durfte, der nach der Entnazifizierung nicht als Belasteter eingestuft war, kam es zu einer Flut von Neugründungen durch Familienunternehmer, die schon vor dem Krieg einen Zeitungsverlag besaßen. Anschließend setzte eine Konzentration ein, die zu regionalen Gebietsmonopolen mit einer einzigen Verlegerfamilie und einer einzigen örtlichen Zeitung führte. Es ist ein offenes, aber nie offiziell bestätigtes Geheimnis der Branche, dass diese Monopole nicht selten durch wettbewerbswidrige Absprachen zustande kamen, die sich freilich nie nachweisen ließen.

Von billigem Papier eingelullt

Diese ganz besondere Struktur der deutschen Zeitungslandschaft bescherte den Verlagseigentümern über viele Jahrzehnte satte Renditen. Die örtliche Sparkasse oder der örtliche Supermarkt kamen gar nicht darum herum, in der Monopolzeitung ihre Reklame zu schalten, wollten sie wahrgenommen werden. Es blieb den werbenden Unternehmen gar nichts anderes übrig, als die von den Verlagen verlangten Anzeigenpreise knurrend zu schlucken.

Monopole machen träge, weshalb der Verdacht naheliegt, dass diese Struktur des Zeitungswesens mit dazu beitrug, dass die Verlage die veränderten Lebensgewohnheiten der Menschen und den technischen Fortschritt lange Zeit nicht sahen oder ernst nahmen. Im letzten Boomjahrzehnt, den 1990er Jahren, wurden sie vom dramatischen Verfall der Papierpreise eingelullt, der für sie angenehm war. Dass das Papier, wie billig auch immer, gegen das papierlose Internet nicht ankommt, wollte damals keiner sehen.

Doch während sich die Zeitungen von den niedrigen Papierpreisen verführen ließen, bereitete die Technik schon das nächste Kapitel im Niedergang der Zeitungen vor. Das Internet löste die Schrift vom Papier und machte sie elektronisch. Das bereitet den Zeitungen gleich doppelt Schwierigkeiten – und zwar in vorher ungeahnter Geschwindigkeit.

Noch im Jahr 2001 funktionierte die Wohnungssuche für den Neuankömmling in der Universitätsstadt so, dass er sich freitagabends um 20 Uhr 30 vor der Druckerei der Lokalzeitung in die Schlange der anderen neuen Studenten einreihte. Um 21 Uhr trug ein Verkäufer die ersten druckfrischen Exemplare der Samstagsausgabe aus dem Tor heraus, und dann suchte jeder aus dem Immobilienteil die spannendsten Studentenbuden aus.

Schon drei Jahre später hatten sich „Immobilienscout“ und „wg-gesucht.de“ durchgesetzt. In dieser kurzen Zeit war die Wohnungssuche per Zeitungsanzeige ein obskurer Geheimtipp für Leute, die im Internet nichts Passendes fanden: Probier’s doch mal mit der Zeitung, es gibt immer noch ein paar ältere Vermieter, die das Internet nicht entdeckt haben.

Nicht nur mit den Wohnungen ging es so. Gebrauchtwagen, Bekanntschaften, Arbeitsstellen – all das, was vorher über das Papier an die Nachrichten der Zeitung gebunden war, verschwand nach und nach aus dem Papier. Damit gingen den Zeitungen gewaltige Einnahmen verloren. Aber genauso schlimm: Sie verloren Service für den Leser. Der Werbewirtschaft war durch das Internet plötzlich aufgegangen, dass es überhaupt keinen notwendigen Zusammenhang zwischen Anzeigen und Nachrichten geben muss.

Auch das restliche Anzeigengeschäft wurde schwieriger. Das Internet lockte die Unternehmen mit dem Versprechen, die detailliertesten Daten auszuwerten und ihre Anzeigen immer denjenigen Leuten zu zeigen, die sich am meisten dafür interessieren. Wer die Treffsicherheit der Facebook-Anzeigen kennt, kann an diesem Versprechen auch heute noch zweifeln. Sicher ist aber: Im Internet ist zusätzlicher Platz für Werbung entstanden, jenseits der Plattformen der Zeitungen (Spiegel Online oder faz.net).

Die Zeitungen besannen sich auf ihre andere Einnahmequelle: die Leser

Facebook und andere jüngere Unternehmen haben immer wieder spannende Websites, ohne dafür viel menschliche Arbeit zu brauchen. Dort kombinieren Computer automatisch Nachrichten, die Mitglieder eingegeben haben – so, dass sie zu den individuellen Bedürfnissen der Leser passen. Auch bei Google bauen Computer Milliarden unterschiedlicher Seiten, je nachdem, was der Nutzer gerade sucht. Das Angebot an Werbeflächen vervielfachte sich, die Preise gerieten unter Druck.

Also besannen sich die Zeitungen auf ihre andere Einnahmequelle: die Leser. Die Zeitungen erhöhten die Preise. In den vergangenen 20 Jahren sind die Zeitungen für die Leser doppelt so teuer geworden, die Preise stiegen viel schneller als die der meisten anderen Produkte – während Umfänge und Qualität selten wuchsen, sondern eher schrumpften. Es ist deshalb ein kleines Wunder, dass die Zeitungen so viele Leser bei der Stange halten konnten. Ob die Strategie der Verlage auf Dauer aufgeht, Umfänge zu schrumpfen und Preise zu erhöhen, ist fraglich. Zeitungsforscher Stöber sagt: „Man kann auf Dauer nicht gleichzeitig Preise drastisch erhöhen und Leistungen kürzen, ohne dass dies folgenlos bleibt.“

Anders als in der Papierwelt verursachen in der elektronischen Welt zusätzliche Leser zwar fast keine zusätzlichen Kosten mehr, doch sie sind auch selten bereit, für die Informationen Geld zu bezahlen. Bevor die Zeitungen im Internet auch nur einen Leser verprellten, ließen sie die Zugänge zu ihren Websites lieber kostenlos – ein paar Cent an zusätzlichen Werbeeinnahmen brachte schließlich jeder. Das war einerseits rational gedacht, andererseits aber reichen die niedrigen Werbeeinnahmen im Internet bis heute nur für einen Teil der Redaktionen, um ihre Kosten zu decken. Geschäftlich ist der Online-Journalismus bis heute nicht erwachsen geworden.

Von den Lesern Geld zu verlangen wurde fast unmöglich. Das Veröffentlichen ist ja billig, der Wettbewerb ist schärfer geworden. Wochenmedien bauten fürs Internet zusätzliche, aktuelle Redaktionen auf. Die privaten, aber auch die mit Zwangsgebühren finanzierten öffentlich-rechtlichen Fernsehsender eröffneten große Gratis-Websites.

Journalisten verlieren das Monopol als Experten für Nachrichten – werden sie trotzdem noch gebraucht?

Doch nicht nur unter den Journalisten wuchs die Konkurrenz. Ministerien, Unternehmen, Forschungsinstitute – sie alle fingen an, ihre Sicht auf die Welt selbst im Internet zu veröffentlichen. Gerade die Informationsfans konnten sich den Bundeshaushalt direkt angucken, anstatt über ihn in einer Zeitung zu lesen. Dazu kamen neue Blogs von Fachleuten oder Autoren, die fundierte und lesenswerte Kommentare in die Welt brachten.

Das Internet vermiest den Zeitungen nicht nur das Anzeigengeschäft, es untergräbt auch ihre Autorität. Wir Journalisten haben das Monopol als Experten für Nachrichten und Kommentare ein für alle Mal verloren. Für die Leser ist die neue, vielfältige Welt großartig. Die Journalisten allerdings sind entmachtet. Ihre Hoffnung bleibt, dass sie doch noch gebraucht werden.

Der Psychologe Uwe Hasebrink am Hamburger Hans-Bredow-Institut für Medienforschung sagt, dass Blogs von Fachleuten es den Lesern erleichterten, ihr „thematisches Interesse“ zu stillen: Die Leser wissen meistens vorher, worüber sie sich informieren wollen. Doch es gibt auch das alte „ungerichtete Informationsbedürfnis“ des Zeitungslesers, das Flanieren, die Freude an der Überraschung. Was passiert damit in der neuen Internetwelt? Könnte darin eine Chance für Chefredakteure und ihre Zeitungen liegen?

Der Umbruch des Internets ist nicht die einzige Zäsur unserer Gegenwart. Auch die gesamte berufliche und soziale Umwelt des Zeitungslesers hat sich verändert. Dass Ella, die Tochter des F.A.Z.-Journalisten, und viele andere Deutsche nur noch selten eine Zeitung lesen, ist eine Entwicklung, die nicht nur am Internet liegt. Es hängt auch damit zusammen, dass sich die Tagesabläufe der Menschen in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch verändert haben. Das gemeinsame Frühstück in der Familie, zu dem die Zeitungslektüre gehört wie der heiß dampfende Kaffee, gibt es nur noch in traditionellen Milieus.

Die Arbeitszeiten innerhalb der sozialen Schichten haben sich vertauscht. Während Arbeiter und tarifliche Angestellte mit ihren Gewerkschaften die 35-Stunden-Woche erkämpft haben, gilt in internationalen Anwaltskanzleien oder bei Investmentbankern heute eine 80-Stunden-Woche als Regelfall. Von „Zeitnot“ und „Arbeitszeitverdichtung“ sprechen die Soziologen. Noch in den 1960er-Jahren kam der Fabrikdirektor zum Mittagessen nach Hause, vor dem Mittagsschlaf gönnte er sich einen Blick in die Zeitung. Und sein Prokurist las am Arbeitsplatz F.A.Z., „Handelsblatt“ oder „Börsen-Zeitung“, ohne sich gegen den Vorwurf wehren zu müssen, er habe wohl nichts zu tun.

Zeitungslektüre auf der Arbeit geht heute gar nicht, privat im Internet zu surfen ist kein Problem. In der Bürowelt von heute wechseln die Kollegen regelmäßig von der Excel-Tabelle zu Online-Nachrichten, zu Facebook oder Immoscout. Das wird toleriert, weil es in der Regel schnell geht und zudem von außen schwer zu erkennen ist, ob da einer Tabellen kalkuliert oder sich anderweitig im virtuellen Raum herumtreibt.

Wie geht es weiter? Zwei Szenarien

Wie also geht es weiter mit der Zeitung? Zwei Szenarien können wir uns ausmalen. Das erste trägt den Arbeitstitel: Es wird böse enden. Die Finanzierungsbasis der klassischen Zeitungen erodiert. Ein großes Zeitungssterben setzt ein. Einige Verlage retten sich, indem sie die alten Nebengeschäfte im Internet ausbauen, ihre Zeitungen aber aufgeben. In Gefahr geraten selbst die großen Namen.

Die Werbepreise bleiben unter Druck und sinken. Noch nicht mal die Websites, die heute profitabel scheinen, sind noch sicher. Mit den Redaktionen gehen die Nachrichtenagenturen unter, die heute ja ein paar rudimentäre Nachrichten bis auf die Websites der E-Mail-Dienstleister bringen. Noch sieben Jahre wird es die gedruckte Zeitung geben. Dann ist Schluss – so orakeln gestandene deutsche Verleger. Auch nach dem Untergang der Zeitung werden die Menschen nicht verdummen.

Ihre Nachrichten bekommen sie zum Beispiel von den öffentlich-rechtlichen Sendern, die zunehmend von der Politik beherrscht werden, mit einer Art Steuer zwangsfinanziert. Dazu gesellen sich gemeinnützige Initiativen, wie sie sich in den Vereinigten Staaten und auch in Deutschland nach und nach gründen. Ihre Finanzierung hängt dann von Spenden ab oder von einzelnen Mäzenen, so wie Ebay-Gründer Pierre Omidyar gerade die investigative amerikanische Nachrichtenseite „The Intercept“ finanziert.

Wenn sich keine dauerhafte Finanzierung für berufliche Publizisten findet, entsteht der große Teil des Lesestoffs aber aus anderen Motiven. Journalisten werden eine Art Nebenerwerbslandwirt. Wissenschaftler, von den Universitäten bezahlt, unterhalten Blogs.

Und: Unternehmen schaffen ihren eigenen Lesestoff. In den vergangenen Jahren haben viele Firmen ihre Kundenmagazine entdeckt. Der jüngste Hype heißt „Content Marketing“: Unternehmen bauen eigene, redaktionsähnliche Einheiten auf und veröffentlichen eigene Artikel, um die Menschen auf ihre Marke aufmerksam zu machen. Coca-Cola hat schon ein ganzes Online-Magazin unter dem Namen „Journey“ im Internet. Die Themen drehen sich längst nicht nur um Cola. Die Autoren spüren dem Trend zum Marathonlauf nach, sie begleiten die Entwicklung der Elektroautos und erklären den Amerikanern sogar, wie das deutsche Ausbildungssystem gegen Jugendarbeitslosigkeit wirkt. Nur richtig kritisch wird kein Artikel. Vor einer solchen Welt haben wir, die Autoren dieses Artikels, Angst. Aber, wie gesagt: Wir sind befangen.

Eine positive Utopie

Nun die positive Utopie. Es wird doch noch gut: Eine neue Pressevielfalt entsteht. Einige wenige alte Verlagshäuser gehen als Sieger aus der Krise hervor. Medienforscher Hasebrink sagt, sie profitierten davon, dass die großen Marken der Presse ein großes Vertrauenskapital bei ihren Lesern angehäuft haben. Selbst wenn sich Jugendliche vor allem auf sozialen Netzwerken informierten, dann läsen sie dort vor allem die Artikel der bekannten Marken.

Zu den alten Verlagshäusern, die den Wandel geschafft haben, gesellen sich junge Verlage. Sie können entstehen, weil in der neuen Zeit die Verteilung von Informationspaketen ohne großen finanziellen Aufwand möglich wird: Es braucht keine Druckmaschinen, kein Papier und keine Verteilorganisation mehr, um das Produkt zu Kunden zu bringen.

Die neuen Zeitungen entstehen nicht auf der grünen Wiese, sondern eher in der Cloud. Sie werden von jungen, billigen Redaktionen gemacht. Die neuen Verleger haben die Vorstellung aufgegeben, dass das alte Anzeigengeschäft zurückkommt. Sie müssen ausschließlich vom Verkauf journalistischer Texte leben. Damit das funktioniert, verzichten die neuen Verlage weitgehend auf Printausgaben. Zeitungen zum Anfassen gibt es nur als Luxuspaket – so wie wir es jüngst in einem Trendhotel im österreichischen Bad Gastein erlebt haben, wo morgens um sieben Uhr wahlweise F.A.Z. oder „Süddeutsche Zeitung“ vor der Zimmertür lagen. Es gilt das Wort des Amazon-Gründers und neuen „Washington-Post“-Besitzers Jeff Bezos: Gedruckte Zeitungen sind wie Pferde, man nutzt sie nicht mehr zur Fortbewegung, hält sich aber trotzdem gerne ein paar, wenn man sich das leisten kann. Nach langer Zeit ist der Journalismus wieder direkt abhängig von seinen Lesern.

Verlage kaufen weniger Papier und senken den Preis

Dank Big Data bekommen die Redaktionen schnell eine Erkenntnis, was funktioniert und was nicht funktioniert. Wenn Redakteure die Quote nicht halten, werden sie schneller abgelöst als früher. Statt bisher 150 werden nur noch 20 Journalisten zu einer Pressekonferenz der Kanzlerin kommen – den Untergang der Demokratie muss man deswegen trotzdem nicht befürchten. „Edelfedern“ dagegen werden zu umworbenen Fachkräften, zu Stars des Metiers, beneidet, kopiert und bewundert. Sie bekommen hochdotierte Exklusivverträge, man zahlt Ablösesummen, wenn sie wechseln.

Die Kostenposition der Verlage hat sich halbiert: Sie kaufen weniger Papier, drucken weniger und verteilen kaum noch in entlegene Gegenden. Im Gleichklang senken sie die Preise zum Teil beachtlich, um Marktanteile zu erobern.

Die allgemein erwartete Boulevardisierung der Medien bleibt aus. Stattdessen funktionieren Texte, die mit dem Alltagsleben der Leute verknüpft sind: die vergebliche Suche nach dem passenden Eigenheim im Ballungsraum und mögliche Lösungen. Warum es gefährlich ist, Salat zu essen. Wie Big Data hilft, den besten Partner fürs Leben zu finden. Solche Themen. Einige Verlage setzen explizit auf einen Journalismus, der sich nicht mehr so stark an den Institutionen wie den Parteien, der Kirche oder den Gewerkschaften abarbeitet. Vor allem wird wie wild experimentiert und getestet.

Überraschend für viele ist, dass die Desintegration der Medien, die durchs Internet so leicht gemacht wird, zurückgedrängt wird. Blogger und Journalisten finden sich zu mehr oder weniger losen Redaktionsgemeinschaften zusammen – nach dem Vorbild von krautreporter.de. Gemeinsam können sich die Reporter eher Bildredaktion, Infografik und Korrektur leisten und damit die Darstellung verbessern.

Schließlich steigt die Bereitschaft der Leser, für Inhalte zu bezahlen, die sie klüger machen. Die Geschäftsmodelle bleiben gleichwohl fragil: Das Modell „Krautreporter“ holt sich durch regelmäßige Kampagnen Geld über das sogenannte Crowdfunding. Die Zahler fühlen sich als Teil einer Gemeinschaft zur Förderung des zeitgemäßen Journalismus. Sie funktionieren, sagt taz-Geschäftsführer Kalle Ruch, wie eine Versicherungsgemeinschaft, die gewährleistet, dass der gute Journalismus da ist, wenn man ihn braucht.

Hinzu kommt: Die überlebenden alten Verlage haben sich unterdessen an straffes Kostenmanagement gewöhnt und kommen zurecht – ebenso wie die jungen Verlage, extrem schlank, die mit Wagniskapital im Rücken die Zeitungslandschaft aufrütteln. Sie kämen gar nicht auf die Idee, dass sie keine Zukunft haben könnten.

Ist das alles Wunschdenken? Ja, es ist Wunschdenken. So wünschen wir – die Autoren dieses Artikels – uns die neue Zeitungswelt.

Quelle: F.A.S.

Facebook + Smartphone ade

ja, richtig, ich habe mich von Facebook verabschiedet. Die bevorstehende AGB Änderung ähnelt einem Sklavenmarkt, wenn man sich ansieht, auf welche Recht man verzichtet bzw. welche Rechte Facebook sich bei Benutzung des Programms ab 1.1.2015 einräumt. In meinen Augen ist das nicht mehr tragbar.

Auch mein Smartphone habe ich quasi vorerst wieder auf Null gesetzt, denn auf dem wütet die Datenkrake Google in Gestalt des Betriebssystem Android KitKat. Zwar ist die ein bisschen leichter auszutricksen, aber das kostet noch einiges an Zeit, ich arbeite dran. Ganz viele Häkchen, die gefunden und entfernt werden müssen, um die Datensammelwut von Google einzudämmen, vor allem den Google-eigenen Browser ersetzen.  Am liebsten würde ich das Android Betriebssystem ganz ersetzen, aber dafür fehlen mir die nötigen Kenntnisse und Erfahrungen. Schaun mer mal!

 

mh 29.11.2014

wer kennt das noch

und weiß, wer es geschrieben hat

Dunkel war’s, der Mond schien helle,
schneebedeckt die grüne Flur,
als ein Auto blitzesschnelle
langsam um die runde Ecke fuhr.

Drinnen saßen stehend Leute
schweigend ins Gespräch vertieft,
als ein totgeschossner Hase
auf der Sandbank Schlittschuh lief.

Und der Wagen fuhr im Trabe
rückwärts einen Berg hinauf.
Droben zog ein alter Rabe
schnell mal eine Turmuhr auf.

Ringsumher herrscht tiefes Schweigen
und mit fürchterlichem Krach
spielen in des Grases Zweigen
zwei Kamele lautlos Schach.

Und auf einer roten Bank,
die blau angestrichen war
saß ein blondgelockter Jüngling
mit kohlrabenschwarzem Haar.

Neben ihm ’ne alte Schachtel,
zählte wohl erst sechzehn Jahr,
und sie aß ein Butterbrötchen,
das mit Schmalz bestrichen war.

Oben auf dem Apfelbaume,
der sehr süße Birnen trug,
hing des Frühlings letzte Pflaume
und an Nüssen noch genug.

Von der regennassen Straße
wirbelte der Staub empor.
Und ein Junge bei der Hitze
mächtig an den Ohren fror.

Beide Hände in den Taschen
hielt er sich die Augen zu.
Denn er konnte nicht ertragen,
wie nach Veilchen roch die Kuh.

Und zwei Fische liefen munter
durch das blaue Kornfeld hin.
Endlich ging die Sonne unter
und der helle Tag erschien.

 

Die Ernüchterung

Nach gut einer Woche Betrieb bin ich einigermaßen erschüttert.

Das verflixte Smartphone gebärdet sich wie der Film E.T. und telefoniert heftig nach Hause wie es scheint. Trotz WLAN Zugang und Betrieb überwiegend zuhause ist die mit der Anschaffung des Gerätes gebuchte Datenflat von 500 mb schon nach einer Woche fast verbraucht, einfach umwerfend, wieviele der vorinstallierten und nicht löschbaren Google Apps da fleissig und immer wieder auf das Netz zugreifen und Daten tauschen, abgleichen und aktualisieren. Also schleunigst die SIM-Karten entfernt, um weiterem unnützen Gebühren- bzw. Datenverbrauch vorzubeugen, Zur Zeit läuft das Smartphone nur über WLAN zuhause zum testen. Telefoniert wird wieder mit dem guten alten Handy
Jetzt werde ich mit Hilfe von Fachartikeln langsam aber sicher versuchen, die Datensammelwut meines Samrtphone soweit einzudämmen, dass die Datenflat von 500 mb wenigstens einen Monat ausreicht, wie vorgesehen. Mehr ist mir zu teuer und mir die Sache nicht wert.

Mh 26.11.2014

Das Global Positioning System (GPS)

Zu Weihnachten habe ich mir einen GPS-Tracker gewünscht, um meine Zeitungsrennerei und andere Lauforgien aufzuzeichnen. Hat sich erledigt, heute fand ich eine entsprechende App von Google (tracks) die genau das erledigt. Gleich installiert und ausprobiert, dabei wohlweislich Ortung nur über GPS, nicht über Handydaten, das würde teuer. Das funktioniert sensationell gut! Testweise einen Hundespaziergang aufgezeichnet, mit einem Doppelklick im PC nach Google Earth importiert und anzeigen lassen. Jeder Meter wurde aufgezeichnet, sogar die kleinen Schlenker unterwegs. Ich kann in der Auswertung sogar sehen, auf welcher Straßenseite ich gelaufen bin. Und die Auswertung, Weglänge, Tempo max – min und Durchschnitt, Kalorienverbrauch, sehr umfangreich. Kann ich sehr gut gebrauchen.

mh 24.11.2014