ETZEL vom Lönsweg

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Gestatten, mein Name ist Etzel, Etzel vom Lönsweg. Ich bin ein männlicher Rauhaardackel, sechs Jahre alt und natürlich von blauem Geblüt. Ich bin nicht mehr ganz komplett, denn aus wichtigem Grund hat man mir zwei (ge)wichtige Körperteile chirurgisch entfernt, damit ich im Umgang mit den hier mit mir zusammenlebenden Hundedamen mehr Ruhe bewahren kann.

Meine Menschen sind sehr nett zu mir, obwohl oder auch weil ich seit einigen Jahren nichts mehr sehen kann. Irgendwie haben meine Augen einen Generalstreik angetreten und werden ihn, so der Tierarzt, wohl nie beenden. Anfangs hat mich das sehr gestört, weil ich immer und überall angestoßen bin und weil ich nicht mehr wie früher, auf die Jagd gehen kann. Obwohl, unsere beiden Katzen jage ich immer noch gern, wenn sie mir in den Weg bzw. vor die sehr gut funktionierende Nase laufen.

Hier zuhause kenne ich mich aus und finde jedenWeg und alles was ich brauche mit Hilfe meines famosen Ortsgedächtnisses und meiner feinen Nase. Wenn meine Menschen allerdings Möbel verstellen oder Staubsauger im Weg stehen lassen, renne ich mir natürlich schmerzhaft die Nase ein. Das sind die Momente, wo ich meine Menschen dann nicht mehr ganz so gern habe. Meistens passen die aber auf und lassen nichts rumliegen.

Draußen ist es nicht ganz so einfach. Im Garten kenne ich mich ganz gut aus und finde den Weg, auch meines ausgezeichneten Gehörs wegen, anhand von Rufen meiner Menschen gut zurück ins Haus. Wenn ich allerdings ein Loch im Zaun finde, um Nachbars Hühner zu besuchen, oder die reizende Münsterländer Hündin nebenan finde ich oft nicht zurück und muss abgeholt werden.

Ich gehe nicht wirklich gern spazieren. Zwar kenne ich den Weg entlang der Aa und die nähere Umgebung ganz gut, aber ich treffe immer wieder auf Hindernisse, die mir nicht gefallen, die neu sind oder erschrecke über plötzliche Geräusche. Außerdem gibt es an der Ecke zur Aabrücke so blöde tiefe Löcher, die ich komischerweise immer wieder finde und hineinfalle, wenn meine Menschen nicht höllisch auf mich aufpassen. Und das macht keinen Spaß sag ich euch, wirklich nicht.

Aber, ich bin zufrieden, ich habe meine treusorgenden  Rudelgefährten immer um mich. Da ist meine Freundin Matzi (eine russische Dackelaristokratin) und die terrierverrückte Zwiebel. Und natürlich die alte Grande Dame Patty, ihres Zeichens Harlekinpudeloma, sehr distinguiert, fast abweisend, die alte Dame. Aber mich mag sie wohl, zumindest beißt sie mich nicht weg. (sie hat auch nur noch zwei Zähne)

Und auf meine Menschen (ein ganzes Rudel) bin ich stolz, sie versorgen mich mit allem was ich brauche und knuddeln mich immer dann, wenn mir mal wieder so richtig zum heulen ist. Hier fühle ich mich wohl, hier bleib ich auch.

Euer

Etzel vom Lönsweg

mh, im September 2014

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