das hat mir die Fassung geraubt -moderne Doktorspiele

 

kennst du das auch, du gehst zum Hausarzt deines Vertrauens wegen irgendeiner Gesundheitsstörung und der überweist dich an einen Facharzt. So sieht es ja auch unser Gesundheitssystem vor, alles gut. Fachärzte arbeiten nur mit Termin wie man weiß. Der Hürdenlauf der Termintelefonate beginnt umgehend an einem schönen Vormittag im August, völlig entspannt auf der Terrasse. Smartphone, Kugelschreiber, Kalender und Notizzettel und die nötigen Telefonnummern liegen bereit.

erster Anruf beim Facharzt um die Ecke:

sind sie schon Patient bei uns? Nein! Wir können leider keine neuen Patienten mehr aufnehmen.“

zweiter Anruf beim Facharzt am anderen Ende der Stadt:

hm, wir sind schon ziemlich lang ausgebucht aber ich schieb sie dieses Jahr im Dezember noch rein, sie müssen aber mit längerer Wartezeit rechnen.“

dritter Anruf beim Facharzt in der nächsten größeren Stadt:

guter Mann, warum gehen sie nicht zum Arzt in (hier den eigenen Heimatort einsetzen.) Hier bei uns gibt es dieses Jahr keinen Termin mehr, und denken sie mal an die lange Fahrt bis zu uns. Ist doch Blödsinn. Gehen sie doch zum Kollegen vor Ort“

vierter Anruf beim Facharzt in der Kreisstadt:

kein Problem, können sie gleich kommen?“ Nein, ich habe eine Anreise von 50 km. „Schade, dann geht es erst nächstes Jahr wieder. Rufen sie doch im Januar nochmal an, wir haben den neuen Kalender noch nicht im System hier.“

fünfter Anruf im nächsten Krankenhaus:

unsere Fachärzte dürfen den niedergelassenen Ärzten nicht die Patienten wegnehmen, wir können sie hier nur mit einer Krankenhauseinweisung behandeln. Die für diesen Fall vorgesehene Gesetzesänderung ist leider noch nicht in Kraft getreten.“

Spätestens jetzt fliegt das Smartphone im hohen Bogen Richtung Garten. Mitleidheischend blickst du um dich, Frau und Hund haben ob deiner grimmigen Stimmung längst das Weite gesucht. Lediglich die Sonnenblumen mit ihren hängenden Köpfen nicken dir tröstend zu. Was tun, ich brauche einen Termin.

Ah ja, die Krankenkasse, hat die nicht so eine Art Terminservice? Also, Smartphone aus dem Beet geborgen, per WLAN ins Internet und die Seite der Krankenkasse aufgerufen. Als ungeübter Krankenkassenseitenbesucher quäle ich mich durch die unzähligen Angebote. Ich nutze emsig die Suchfunktion und lese ungeheuer viel Interessantes zu Krankheiten und Gesundheiten. Terminservice leider Fehlanzeige. Auch die dort angepriesene Facharztauswahl, sortiert nach Fachrichtungen und Postleitzahlen, zeigt mir nur die Ärzte, die ich schon abtelefoniert habe, und die noch nicht mal alle.

Servicetelefon schießt es mir durch den Kopf, die haben doch ein Servicetelefon. Sofort wähle ich den kostenlosen Telefonservice der Krankenkasse. Erfolg nach 15 min. Warteschlange mit entnervenden zuckersüssen Ansagen und sich im Minutentakt wiederholender Musik, aufgelegt. Wenn die wenigstens Mike Oldfield oder Queen spielen würden da….anständige Musik statt des Flötengequengels.

Hat wer noch eine zielführende Idee oder einen Tip? Ich brauche doch einen Termin!

Drachen, Lochmünzen, Fisch, Honig, weiche Brötchen und unbequeme Betten gefällig?

Lange haben wir diskutiert, geplant, im Internet recherchiert. bevor wir uns für ein preiswertes Ferienhaus auf der Insel Rømø an der dänischen Nordseeküste für den gemeinsamen zweiwöchigen Urlaub unserer FamilienWG samt unseren vier Pfotenchaoten entschieden.

Rømø_Karte

Die Buchung und Abwicklung über das Internet mit einem namhaften dänischen Reiseveranstalter waren schnell erledigt. Auch die Tatsache, das wir mit vier kleinen Hunden (2 Dackel, ein Pudel und ein Terrier) anreisen wollten war kein Problem, denn die Dänen sind ausgesprochen hundefreundlich.

Die Reise begann samstags gegen 8:00 Uhr, geplante Zielankunft ca. 16 Uhr bei 560 km Reiseweg. Der 7sitzer Van war vollgepackt mit 4 Erwachsenen, 4 Hunden, dazu einiges an Gepäck. Hinten dran hing noch ein kleiner Gepäckanhänger, voll mit Gepäck und obendrauf geschnallten 4 Fahrrädern.

Foto0074Foto0202Unsere Reiseroute; über die A31 Richtung Norden bis Kreuz Schüttorf, dann die A 30 bis Kreuz Osnabrück. Weiter über die A 1 bis Hamburg, die A7 durch den Elbtunnel bis Flensburg und weiter die E45 nach Apenrade (DK). Quer über Landstraßen weiter zum Ziel auf der Insel Rømø, als letztes über den fast 10 km langen Inseldamm durchs Wattenmeer. Aus der geplanten Ankunftszeit wurde nichts,denn in Hamburg erwischte uns ein Mordsstau, der uns langweilige dreieinhalb Stunden Stop&go bescherte. So trafen wir dann erst gegen 19:30 ziemlich groggy und zerknautscht auf der Insel ein.

Foto0103Perfekter Service vom Reiseveranstalter; die Schlüssel zum Haus und eine Wegbeschreibung lagen am unterwegs telefonisch (wegen der Verspätung) vereinbarten Ort für uns bereit. Gegen 21 Uhr hatten wir entladen und alles soweit verstaut. Ein leckeres kühles Bier aus dem mitgebrachten Biervorrat und ein leichter Imbiß, dann sanken wir müde ins Bett.

Aber…oh weh. Dänische Ferienhausbetten sind schrecklich kurz, pfuhlweich und vor allem zu schmal für große Menschen wie wir. Wir haben uns in den ganzen zwei Wochen nicht daran gewöhnen können und oft schlecht geschlafen, der wirklich einzige Minuspunkt am Ferienhaus, aber wie man mir sagte, dänemarktypisch.

Am nächsten Morgen dann die Hausbesichtigung, wirklich ein knuffiges, wohnliches Holzhäuschen in einem mitten im Grünen gelegenen Waldgelände weit abseits der Inselhauptstraße. Die Nachbarn alle mindestens 50m weit weg und abgeschirmt durch Sandhügel, Bäume und Sträucher. Zweckmäßig eingerichtet mit 2 Schlafzimmern, ein luftiges, helles Wohnzimmer mit Holzofen. Komplett ausgestattete Küche und ein kleines Bad mit Dusche und Waschmaschine. Eine Essecke mit Riesenfenster nach Osten. Dazu draußen zwei Sonnenterrassen (West und Ost) mit Tisch und bequemen stabilen Stühlen. Eine Auswahl von Gartenstühlen und -liegen und ein großer moderner Gasgrill auf Rollen mit Gasflasche in der kleinen Garage. Das nötigste Werkzeug, Kabeltrommel, ebenfalls alles vorhanden.

Zwei Inselwochen

Wetter – nur zwei durchgehend heftige Regentage. Ansonsten durchwachsen bis

gut, immer so um 18 – 20 Grad tagsüber perfekt für entspannte Strandspaziergänge und

Muschelsuche mit den Hunden am oft fast menschenleeren Strand. Abends entweder Rommee gespielt oder in den mitgebrachten Ebooks geschmökert.

Dänemark ist unerhört teuer, deshalb haben wir uns selbst verpflegt und bekocht.

Schliesslich waren ja zwei Hobbyköche dabei. Der Lebensmitteleinkauf auf der Insel erwies sich als Kostenfalle, aber schließlich waren wir ja im Urlaub.

Wir waren dann in zweimal in Skaerbeck (12 km) auf dem Festland zum Einkaufen, denn die Inselläden waren nun doch zu für den täglichen Bedarf zu teuer. So haben wir uns da grundversorgt, da gibt es die üblichen bekannten Ketten (Aldi, Lidl usw.) mit etwas verträglicheren Preisen und vor allem mehr Auswahl wie in den kleinen Inselläden. In Dänemark beträgt die Mehrwertsteuer nun mal 25% und das spürt man.

Herrlich die Gelegenheit gleich im Hafen von Havneby per Fahrrad jederzeit frisch gefangenen Fisch und Krustentiere einzukaufen und abends frisch zuzubereiten, wir haben in Fisch geschwelgt. Auf dem Weg dahin gab es auch einen großen Bäckerladen. Wer einmal in einer dänischen Bäckerei war, wird sich da gern dran erinnern. So ein Angebot von Kuchen, Torten und Gebäck, schon beeindruckend und vor allem verführerisch. Nur an schmackhaftes Brot zu kommen erwies sich als schwierig, fast alles war uns zu weich und süß, da sind wir hier in Deutschland durch unsere vielen Brotsorten doch sehr verwöhnt. Ein sog. Landbrot, zwar weich aber mit schöner Kruste hat dann in unseren Augen Gnade gefunden. Und die Brötchen da waren verdammt lecker.

Wir haben an den zwei Regentagen jeweils Ausflüge gemacht. So waren wir am ersten Regentag auf einem sog. Schafsmarkt in Hoejer. Da gab es zwar keine Schafe, aber viele Buden und Händler, so etwa wie hier ein Stadtmarkt. Ganz interessant.

Ein weiteres Regentagesziel, die Hafenstadt Esbjerg mit ihrem großen Industriehafen weiter im Norden. Dort sind wir trotz Regen durch die hübsche Innenstadt gebummelt und haben in einem Zelt auf dem Marktplatz einen Kaffee genossen. Wir wollten noch runter in den Hafen, aber wir haben uns erst grauslich verfahren und dann im strömenden Regen doch darauf verzichtet.

In diesem Urlaub hat uns neben der Begeisterung für unsere brandneuen Ebooks dann auch noch das Rommeefieber erwischt. Wir haben fast jeden Abend Rommee gespielt, bis uns die Augen zufielen. Was war das ein Spaß. Erinnerungen an alte Zeiten für uns.

Mit der dänischen Währung standen wir die ganze Zeit auf Kriegsfuß. Diese elende Umrechnerei, die ungewohnten Scheine und Münzen. Aus lauter Faulheit haben wir oft nur mit Scheinen bezahlt und das Kleingeld gehortet. Eine gute Idee, wie sich nachträglich herausstellte, denn am vorletzten Urlaubstag packten wir das gesammelte Kleingeld in einen Beutel und trugen es in einen dänischen Verkaufskasten. Wir erstanden dafür 9 Gläser leckeren dänischen Heidehonig, ein Gedicht sag ich nur.

Was ist aber ein Verkaufskasten? Diese Kästen findet man dort an vielen Hauseingängen und Straßenecken, bestückt mit div. Waren, Neben dem berühmten Heidehonig findet man da z.B. frische Eier, Gemüse aus eigenem Anbau, Geschenkartikel, Andenken, Flohmarktkram, einfach nur alles was klein ist und wo sich vielleicht ein Interessent findet. Preisschilder verkünden den Preis der Ware, man legt das Geld in eine Schachtel im Kasten und entnimmt die gewünschte Ware. Das klappt ganz offensichtlich meistens, wir haben nur wenige Kästen gesehen, in denen ein Schild auf eine überwachende Videokamera hinwies.

Es gibt aus diesem Urlaub noch soviel zu berichten.

Das lecker-würzige Pfefferminzeis und das schwarz-graue Lakritzeis, das man am Strand in Riesenportionen bekommt.

Foto0119

Der unglaublich große, teils menschenleere Strand, wegen seiner Größe mit dem Auto befahrbar, noch um einiges größer wie der Strand in St. Peter Ording.

Foto0084

Das Drachenfestival mit seinen hunderten von exklusiven und einmaligen Drachen aus ganz Europa ein ganzes Wochenende lang am Strand.und ein eigener Strandabschnitt für Kitesurfing und Windsurfer.

Foto0158

Die interessante Kirche und der gepflegte Friedhof mit seinen uralten Kaptänsgräbern, das niedliche Feuerwehrhäuschen daneben.

Heideland, viele Kiefern und sanfte Dünen soweit das Auge reicht.

Foto0073

Zwischen Insel und Festland ein 9 km breites Wattenmeer mit dem Inselstraßendamm, der das Festland mit der Insel verbindet.

Viele Radwege, jede Menge Gelegenheit für schöne Radtouren.

Und noch vieles mehr, die zwei Wochen waren viel zu kurz um alles zu erkunden und zu genießen.

Alles in allem war das ein wunderbarer Urlaub. Urlaub an der See ist wirklich

was schönes mit hohem Erholungsfaktor. Ob wir uns Dänemark nochmal antun bei der doch sehr weiten Anfahrt von hier und den Preisen, wohl eher nicht. Es gibt ja noch andere schöne Gegenden an der Nordsee, für uns hier bietet sich ja die holländische Nordseeküste an. Und seit meiner Kurzreise an die Ostsee vor vier Wochen kann ich mir auch einen Ostseestrand als Urlaubsziel gut vorstellen, wobei da die Anreise bis Rügen oder Usedom natürlich auch wieder…..

Die Rückfahrt nach Hause erledigten wir übrigens in der Nacht von Freitag auf Samstag auf der gleichen Route in etwas mehr als fünf Stunden.

mh im Oktober 2014

die Rasselbande vom Lönsweg

Frauchen: „Hey schau mal, unsere Pfotenchaoten graben sich da mal wieder zum Nachbarn durch!“

Herrchen: „So eine Rasselbande, die knöpf ich mir vor“.

Dieses oder ähnliches hört man oft in unserem Garten.

Pfotenchaoten – die Rasselbande vom Lönsweg

Wer die kleinen Strolche, Emil und die Detektive oder Pippi Langstrumpf kennt, dem ist der Begriff „Rasselbande“ geläufig. In meiner Fortsetzungsstory hier handelt es sich bei unserer Rasselbande um eine Gruppe frühreifer oder auch spätpubertierender Hunde, die durch ihr Verhalten ihren Herrschaften auf die Nerven gehen und diese gewaltig auf Trab halten. Darf ich zunächst vorstellen, unsere Pfotenchaoten-Rasselbande.

Da ist als Rudelchefin zunächst einmal Patty(14), offiziell Lady Patricia von den Falkenhusener Glückskindern, eine reinrassige edel-vornehme schwarz-weiße Harlekin-Kleinpudeldame, die souverän das Rudel regiert, allerdings ohne sich an den üblichen chaotischen Geplänkeln zu beteiligen, das ist unter ihrer Würde als Rudelälteste. Um die Bande im Zaum zu halten genügen ihr sogar die ihr noch verbliebenen zwei Zähne im Maul.

Dann ist da Maffja von der Hühnersteppe, genannt Matzi(5), eine schwarzbraun gestromte Zwergteckelhündin von edlem rot-russischem Geblüt. Im Gegensatz zu ihrer Chefin Patty ist sie allzeit zu allerlei Unfug bereit. Allerdings ist sie ein schrecklicher Angsthase, immer wieder wird sie vom eigenen Mut überrollt und rast dann schreiend mit aufgestellter Rückenbürste weg von der imaginären Gefahr ins sichere Haus, notfalls kilometerweit. Ansonsten ist Schnarchen im geheizten Wasserbett und Fressen ihr Hobby.

Etzel(9), der Mitläufer und Katzenhasser. Sein Steckbrief: Ich bin ein männlicher Rauhaardackel und natürlich von blauem Geblüt. Ich bin nicht mehr ganz komplett, denn aus wichtigem Grund hat man mir zwei (ge)wichtige Körperteile chirurgisch entfernt, damit ich im Umgang mit den hier mit mir zusammenlebenden Hundedamen mehr Ruhe bewahren kann. Mitläufer nennt man mich deshalb, weil ich blind bin und mich deshalb immer an die anderen anhänge und mitlaufe, wenn was los ist.

Und zuletzt der Kern der Rasselbande, unsere Zwiebel(9). Eine reizende (PUTE = PUdel-TErrier Mix) Hündin, die, wenn man sie anschaut, kein Wässerchen trüben kann. Sie kam ziemlich abgeflacht im Alter von sechs Monaten aus einem Tierheim im Wendland zu uns, mit Haß auf alle Kinder und Jugendlichen, sehr ängstlich und zurückhaltend. Heute ist sie das totale Gegenteil. Immer zu allen Schandtaten bereit und springlebendig liebt sie Kinder abgöttisch, rast wie ein Irrwisch überall mit und hin. Sie begleitet uns auf unserer Zeitungsrennertour so oft wie möglich (wer den Blog hier liest, weiß was ein Zeitungsrenner ist) und ist immer zu Späßen bereit. Ein überaus liebenswerter Pfotenchaot also.

Dann gibt es da noch zwei rabenschwarze Katzenmädchen, die sich aber in aller Regel vornehm zurückhalten. Es sei den, ja es sei denn, die Hunde treten ihnen zu nahe. Ausnahme: Zwiebel und Lupina, die sind zusammen aufgewachsen und spielen sogar zusammen ab und zu,

Diese wunderbaren Pfotenchaoten bereichern unseren Alltag immer wieder mit Streichen, Ereignissen und staunenswerten Geschichten, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Ihr werdet hier immer wieder eine neue Episode, einen Streich oder ein Erlebnis mit den Pfotenchaoten nachlesen können.

Mh, im Oktober 2014

Schmeiss dein Auto weg

BahnAuto

 

Schmeiß dein Auto weg

nein, ich werde nicht von der deutschen Bahn gesponsert, aber…als Kind und jugendlicher Ahauser habe ich jahrelang für die Fahrten zur Schule nach Gronau und für anstehende Reisen zu Verwandten, zu Familienangehörigen und was weiß ich wo sonst noch hin ausschließlich Busse und Bahnen benutzt, wir hatten noch kein Auto damals. Und auch meine Familienheimfahrten in der Bundeswehrzeit von Rendsburg (SH) nach Ahaus (was für ein Blödsinn, einen Ahauser nach Rendsburg zum Wehrdienst einzuziehen) fanden ausschließlich mit der damals noch Deutschen Bundesbahn (DB) statt. Erst danach, in den 70er Jahren kam dann das Auto zum Zuge und der Zug leider langsam aus der Mode.

2014 – ich habe das Bahnreisen nach vielen Autojahren wieder entdeckt. Lies selbst
Ahaus ist ein richtig schönes und attraktives westmünsterländisches Kaff, da sind wir uns einig. Es hat sogar einen, nein zwei Bahnsteige, statt einem richtigen Bahnhof. Zwei sogar ganz frisch zu sehr interessanten Kosten und Bedingungen erneuerte Bahnsteige mit Fahrstuhl und leider, welch Irrsinn, keine Fahrkarten-Verkaufsstelle mehr, auch keinen Fahrkartenautomaten auf dem Bahnsteig. Aber egal…..für mich stand im September 2014 eine Reise an, von Ahaus in ein ganz kleines Örtchen hoch oben im Nordosten unseres schönen Landes, kurz vor der polnischen Grenze gleich unterhalb der Insel Usedom und direkt am Peenestrom-Achterwasser, also quasi mehr oder weniger am A… der Welt. Ich war da in den 80er’n und in den 90er’n schon ein paar Mal, immer mit dem Auto, dort leben liebe Familienangehörige. Über Einzelheiten dazu berichte ich später in einem anderen Bericht, das ist eine Extrageschichte.
Nun freute ich mich nach langer Zeit auf eine Reise in diese wunderschöne Gegend, aber diesmal war ich, schon wegen der irren Spritpreise, wild entschlossen den Zug zu nehmen. Planung, das Wochenende um den 8. September 2014, ohne feste Vorsätze oder Zwänge, auch um den besten Fahrpreis ausnutzen zu können.

In Ahaus gibt es kein Reisebüro (mehr) mit Fahrkartenverkauf, also bleibt für den Fahrkartenerwerb für diese zugegeben etwas kniffelige Reiseplanung nur das Internet samt Buchung per Kreditkarte oder Lastschrift. Immerhin benötigte ich eine Fahrkarte von Ahaus (Bhf) nach Hohendorf im nördlichen Mecklenburg-Vorpommern. Und auch wieder zurück, am gleichen Wochenende, wohl relativ flexibel in der Wahl des Reisetages und der Reisezeit.
Also, nur Mut, auf ins Internet, auf der Seite der deutschen Bahn gibt es jede Menge Möglichkeiten.
Gar nicht so schwierig, die Seite mit den Buchungsmöglichkeiten zu finden,auch die Eingabe war nicht so schwierig wie erwartet. Aber dann, die präsentierte Auswahl, herrje. Mit oder ohne ICE, mit oder ohne Platzreservierung, mit oder ohne Fahrrad, erster Klasse, zweiter Klasse, über Hamburg, über Hannover, über Berlin, an Berlin vorbei, mir schwirrte ganz schnell der Kopf. Und die Preise dazu, Normalpreis, mit oder ohne Bahncard, 1. Klasse, 2. Klasse, mit ICE, ohne ICE, Sparpreis, Wochenendticket, was weiß ich noch alles. Wahnsinn! Eine Stunde lang habe ich erfolglos versucht, mir einen Überblick zu verschaffen. Ich habe dann erst mal aufgegeben……Und ich dachte, aufgrund meiner Jugenderfahrung ein erfahrener Bahnreisender zu sein, denkste, Pustekuchen! War wohl nix!

Okay, ich bin dann doch drangeblieben am nächsten Tag, hab weiter Fahrpläne gewälzt, Routen im Internet und Google earth verfolgt und über Fahrplänen und Sparpreisen gegrübelt und mich schlau gelesen. Raus gekommen ist dabei: ich hab mich an einem Samstag mittags von Ahaus nach Rheine (Hbf) bringen lassen und bin da in den Zug nach Berlin (Hbf) gehüpft. Von da sollte es weitergehen mit einem Ostsee Express in Richtung Ostsee bis nach Züssow, dort umsteigen in die Usedomer Bäder Bahn die mich dann noch bis nach Hohendorf transportieren sollte. Dort würde man mich abholen. Das ganze hab ich mir erster Klasse geleistet, wegen der Bequemlichkeit, die Kosten dafür waren wirklich nicht hoch. Soweit erst mal die Theorie, jetzt die dazugehörige Praxis:

Abfahrt nach einer gemütlichen Fahrt per Auto nach Rheine samstags vormittags per IC/Intercity Richtung Berlin. Aber Achtung, just an diesem Samstagmorgen hatten die Lokführer der GdL beschlossen zu streiken. Kein Problem, mein Zug kam aus Amsterdam, da war nix mit Streik. Aber in Hannover standen wir schon mal eine Viertelstunde dumm vor dem Einfahrtsignal herum, Lt. Durchsage des Zugbegleiters waren alle Bahnsteige mit verspäteten Zügen verstopft. Ich bangte um meinen Anschluss in Berlin (Hbf) und stand deshalb in eifrigem SMS Kontakt mit meiner Abholmannschaft in Hohendorf und natürlich mit dem echt hektischen aber trotzdem super freundlichen Zugbegleiter. Endlich ging es weiter Richtung Berlin mit immerhin satten 200 km/h.
Berlin in Sicht, der Zug hält in Spandau. Ein Blick auf die Uhr – keine Chance auf Erreichen des Anschlusses in Berlin (Hbf), wir hatten derbe Verspätung.
Aber da, eine Durchsage des Zugbegleiters (sinngemäß): wer Richtung Ostsee fahren will, sollte bitte hier und gleich in Spandau eiligst den Zug verlassen und in den am gegenüberliegenden Bahnsteig stehenden total verspäteten Ostsee Express aus Köln steigen, der fährt direkt nach Binz/Rügen an Berlin (Hbf) vorbei und hat Kurswagen nach Usedom.
So richtig hab ich das nicht gerafft so schnell, also volles Risiko…Ebook, Pausenbrote, Zeitung, Jacke und Koffer geschnappt, wie der Blitz raus aus dem Zug in Spandau, rein in den tatsächlich gegenüberstehenden Ostsee Express gehechtet, freien Platz gefunden in der 1. Klasse und erst mal aufgeatmet. Nach einem Plausch mit dem Zugbegleiter durfte ich hoffen, zur geplanten Zeit mit einem total verspäteten weil völlig ungeplanten anderen Ostsee Express (der hatte mehr als zwei Stunden Verspätung und war picke-packe voll) in Züssow rechtzeitig aufzuschlagen und dort meinen ursprünglich geplanten Anschluss zu erreichen. Glück muss der Mensch haben, auch im fernen MeckPomm. So war es dann auch, meine Abholer konnten mich pünktlich in Hohendorf in die Arme schließen. Was war ich froh…Ich muss dazu bemerken, das zu meiner extrem preiswerten Fahrkartenbuchung der Zwang zu den mit der Fahrkarte gebuchten Zügen bestand. Dank und wegen des Streiks und der damit verursachten heftigen Verspätungen entfiel aber dieser Zwang wiederum, so das ich problemlos auch den anderen Zug ab Spandau nutzen konnte. Das muss man aber erst mal wissen, da steht nur im Kleingedruckten der Bahn, das ich mir im Vorfeld mühsam erlesen habe.

Der wunderbare, viel zu kurze Aufenthalt in Seckeritz, dazu später in einem anderen Bericht mehr…..

Die Rückfahrt.
Pünktlich abgefahren am Dienstagmittag in Hohendorf mit dem komfortablen Triebwagen der Usedomer Bäderbahn, Anschluss in Züssow nach Berlin (Hbf tief) kein Problem. Den Fahrplan an und ab Züssow konnte man getrost bin der Pfeife rauchen, Riesen Bahn-Baustelle, alles fuhr nach Gehör, nicht nach Fahrplan. Aber in Berlin hatte ich genügend Umsteigezeit, also keine Panik. Im Zug nach Berlin (Hbf) dann ein guter Sitzplatz im Tiefparterre des klimatisierten und leise dahinsausenden Doppelstockwagens, dazu nette Mitreisende mit drei zauberhaften, ungewöhnlich braven Kindern und einem schläfrig vor sich hin schnarchenden Riesenhund. Die waren tatsächlich auf dem Weg von Greifswald nach Südspanien, wollten in Berlin in den Nachtzug da runter umsteigen. Gute Güte, so eine Reise mit drei Kindern und Hund, meine Hochachtung. Nervenzerfetzend!
Ich bin dann in der reichlichen Umsteigezeit in Berlin (ca.1 Std) staunend und mit buchstäblich offenem Mund durch diesen nagelneuen echt riesengroßen Bahnhof mitten in Berlin herumgestrolcht. Ich kenne den Bahnhof Hamburg (Hbf) als auch nicht gerade klein, aber der Berliner Bahnhof sprengt alle Grenzen. Hier werde ich mal mit gaaaaaanz viel Zeit alles erkunden, Wahnsinn was es da alles gibt. 4 Etagen übereinander. S-Bahn, U-Bahn, Busse, Regionalbahn, Fernbahn, Intercity, ICE. Jede Menge internationale Verbindungen. Ein Hauch von Weltoffenheit und Fernweh beim Lesen der Abfahrtstafeln. Davon kann man sich nur selbst überzeugen, das ist unbeschreiblich fesselnd.
Nun gut, ich erreichte meinen IC Zug Richtung Osnabrück problemlos und pünktliche. Es war dunkel langsam, also das Ebook strapaziert und Musik gehört, ich war ja passend ausgerüstet. In Osnabrück dann umgestiegen in den letzten Pengelanton (wer weiß noch, was das ist) Richtung Bad Bentheim und gegen 23 Uhr in Rheine auf die Minute pünktlich eingetroffen. Meine bezaubernde Schwiegertochter holte mich da wie geplant ab und fuhr mich per Auto nach Ahaus, nicht ohne auf der Autobahn 31 am Kreuz Schüttorf (wären wir doch bloß über die Landstraße gefahren) einen netten viertelstündigen Stau hinter einem Rudel riesengroßer Stromerzeuger-Windmühlenflügel Schwertransporter, die in der Ausfahrt feststeckten, zu genießen.

Ach so, warum die ganze Reise beginnend von Rheine? Das spart gut 2 Stunden pro Richtung, die Fahrt direkt von Ahaus in Richtung Nordosten mit dem Zug ist verdammt zeitaufwendig, Ahaus Coesfeld oder Gronau – Münster – Osnabrück, das kostet Zeit. Richtung Süden sieht das besser aus, direkt über Dortmund. Aber wer sich klug eine Strecke aussucht, gewinnt. Reisen mit der Bahn hat was, wirklich. Lange Strecken werde ich nur noch so erledigen, Statt Stress im Stau und nervige Autobahnkilometer lässige Rennfahrt (200 kmh und mehr) auf der Schiene mit einem Tässchen Kaffee und spannender Lektüre oder auch nur den Ausblick am Fenster genießen. Probiert’s mal aus. Ist echt schön.

Übrigens die Reise hat erster Klasse hin und zurück schlappe 74 Euro (Sparpreis) gekostet. Wetten, das du damit nicht mal die Spritkosten eines Mittelklassewagens deckst für diese Reise von über tausend Kilometern.

Nein, schmeiß dein Auto nicht weg, es hat schon viele Vorteile. Aber – auf langen Strecken gemütlich zu reisen macht mit der Bahn viel mehr Spaß. Und lass dich nicht verunsichern durch die komplizierte Buchung oder das möglicherweise erforderliche Umsteigen, das ist nicht so schlimm wie es aussieht im ersten Moment. Und wenn du Fragen hast zu einer Bahnreise, die du vielleicht planst, so von Ahauser zu Ahauser einfach Mail an mstrain@web.de ,du hörst dann von mir, versprochen!

mh, im Oktober 2014

7 Dinge die ich liebe – und die du auch lieben könntest

7 Dinge die ich liebe – und die du auch lieben könntest

Ehefrau/Partnerin/Geliebte

Ich liebe Frauen, meine Ehefrau natürlich ganz besonders, sie ist ein absolut unverzichtbarer Teil meines Lebens geworden in den Jahren, die wir nun schon zusammen unseren Lebensweg beschreiten.

Hund

mit Hunden bin ich nicht nur groß geworden, sie haben mich mehr oder weniger mein Leben lang begleitet und geprägt. Heute sind Patty und Zwiebel die Lieblinge, die täglich mein Leben bereichern.

Kinder/Enkel

davon hab ich eine ganze Menge, leider die meisten zu weit weg, um regelmäßig Kontakt zu halten. Der eine kleine Chaot, der gleich im Nachbarhaus wohnt muß mir alle ersetzen. Ich liebe ihn abgöttisch, auch wenn er das noch nicht weiß und mich bei der Abholung im Kindergarten heftig anzickt.

Weizenbier

Wer mag schon auf ein solches Leckerchen auf Dauer verzichten? Das bittere Pils ist was für hartgesottene Westfalen, Berliner Weisse was für redselige Berliner. Weizenbier, am liebsten das Dunkle, schön kalt und perfekt eingeschenkt auf einer sonnigen Terrasse, das isses doch, oder? Dafür ertrag ich sogar die bayrische Note dieses edlen Getränks.

Garten

Was ist es schön, den Luxus eines Gartens zu geniessen. Nicht nur, das man sich aus diesem, wenn man mag, mit Grünfutter und Früchten aller Art günstig und superfrisch versorgen kann. Auch das Seelenleben profitiert von der Ruhe, den vielen Farbtönen und vor allem dem herrlich gesunden Mikroklima eines Gartens.

Zeitungsrennen

Was ist das denn willst du wissen? Zeitungsrenner sind die Leute, die dir am frühen Morgen deine Tageszeitung in den Briefkasten stopfen, ungeachtet der gerade vorherrschenden Wetterlage. Pessimisten nennen das Ausbeutung, Optimisten dagegen bezahlten Frühsport. Nachahmung trägt zu besserer Gesundheit plus Einkommensverbesserung bei.

schreiben

…kann Lust und Frust verursachen, bekämpfen und auch fördern. Ich mag es nicht mehr missen, bei Schreibanfällen schreibe ich mir Frust mit Lust von der Seele und freue mich über Leser, die sich wiederum über meine Schreibe freuen.

 

mh, im September 2014

ETZEL vom Lönsweg

20141101_03

 

Gestatten, mein Name ist Etzel, Etzel vom Lönsweg. Ich bin ein männlicher Rauhaardackel, sechs Jahre alt und natürlich von blauem Geblüt. Ich bin nicht mehr ganz komplett, denn aus wichtigem Grund hat man mir zwei (ge)wichtige Körperteile chirurgisch entfernt, damit ich im Umgang mit den hier mit mir zusammenlebenden Hundedamen mehr Ruhe bewahren kann.

Meine Menschen sind sehr nett zu mir, obwohl oder auch weil ich seit einigen Jahren nichts mehr sehen kann. Irgendwie haben meine Augen einen Generalstreik angetreten und werden ihn, so der Tierarzt, wohl nie beenden. Anfangs hat mich das sehr gestört, weil ich immer und überall angestoßen bin und weil ich nicht mehr wie früher, auf die Jagd gehen kann. Obwohl, unsere beiden Katzen jage ich immer noch gern, wenn sie mir in den Weg bzw. vor die sehr gut funktionierende Nase laufen.

Hier zuhause kenne ich mich aus und finde jedenWeg und alles was ich brauche mit Hilfe meines famosen Ortsgedächtnisses und meiner feinen Nase. Wenn meine Menschen allerdings Möbel verstellen oder Staubsauger im Weg stehen lassen, renne ich mir natürlich schmerzhaft die Nase ein. Das sind die Momente, wo ich meine Menschen dann nicht mehr ganz so gern habe. Meistens passen die aber auf und lassen nichts rumliegen.

Draußen ist es nicht ganz so einfach. Im Garten kenne ich mich ganz gut aus und finde den Weg, auch meines ausgezeichneten Gehörs wegen, anhand von Rufen meiner Menschen gut zurück ins Haus. Wenn ich allerdings ein Loch im Zaun finde, um Nachbars Hühner zu besuchen, oder die reizende Münsterländer Hündin nebenan finde ich oft nicht zurück und muss abgeholt werden.

Ich gehe nicht wirklich gern spazieren. Zwar kenne ich den Weg entlang der Aa und die nähere Umgebung ganz gut, aber ich treffe immer wieder auf Hindernisse, die mir nicht gefallen, die neu sind oder erschrecke über plötzliche Geräusche. Außerdem gibt es an der Ecke zur Aabrücke so blöde tiefe Löcher, die ich komischerweise immer wieder finde und hineinfalle, wenn meine Menschen nicht höllisch auf mich aufpassen. Und das macht keinen Spaß sag ich euch, wirklich nicht.

Aber, ich bin zufrieden, ich habe meine treusorgenden  Rudelgefährten immer um mich. Da ist meine Freundin Matzi (eine russische Dackelaristokratin) und die terrierverrückte Zwiebel. Und natürlich die alte Grande Dame Patty, ihres Zeichens Harlekinpudeloma, sehr distinguiert, fast abweisend, die alte Dame. Aber mich mag sie wohl, zumindest beißt sie mich nicht weg. (sie hat auch nur noch zwei Zähne)

Und auf meine Menschen (ein ganzes Rudel) bin ich stolz, sie versorgen mich mit allem was ich brauche und knuddeln mich immer dann, wenn mir mal wieder so richtig zum heulen ist. Hier fühle ich mich wohl, hier bleib ich auch.

Euer

Etzel vom Lönsweg

mh, im September 2014

Die 6 besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe und wie du davon profitieren kannst

Die 6 besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe und wie du davon profitieren kannst

Nur sechs wirst du sagen, mehr nicht? Natürlich sind es viel mehr wertvolle und gute Entscheidungen gewesen im Laufe meiner Vergangenheit aber ich schreibe hier nur über die besten. Ich gehe dabei chronologisch vor, die Reihenfolge hat keine Wertigkeit.

1

Ich habe Ahaus früh verlassen. Nach Jahren als schlechter Schüler und Lehrversager bin ich als 16jähriger „Knallfrosch“ (Geheimsprache nur für Eingeweihte) nach Hamburg getrollt (worden) im Schlepptau meiner älteren Geschwister. Die haben mich mit viel Hingabe und Geduld auf ein selbstständiges Leben vorbereitet. Die Lebenszeit in Hamburg ist eine schöne Jugenderinnerung mit ganz vielen Facetten. Die Entscheidung, dort hinzuziehen hat mein Leben maßgeblich positiv beeinflusst.

2

Als junge Nachwuchskraft im Ausbildungsunternehmen, inzwischen aber versetzt an den Rhein, habe ich mich für eine firmeninterne Weiterbildung zum Ausbilder entschieden. Heute weiß ich, das diese Entscheidung mehr als gut war. Der Umgang mit Menschen jeden Alters, die Schulung und Motivation von Menschen haben mich maßgeblich geprägt und mir immer wieder Freude bereitet.

3

Der Vater meiner Frau war seit ihrer Geburt verschollen in der DDR. Sie hatte ihn nie kennengelernt. Wir haben uns entschieden, ihn zu suchen – und nach langer, mühsamer Suche auch gefunden. Den Moment des Glücks, als meine Frau ihren Vater das erste mal in ihrem Leben in die Arme schloß, werde ich nie vergessen, die Szene steht mir heute noch vor Augen. In diesem Herbst 2014 fahre ich dort wieder hin, um den alten Herrn und seine Familie lange nach dem Tod meiner Frau in die Arme zu schließen, viel zu lange habe ich sie nicht mehr gesehen.

4

Nach acht Jahren in den Diensten einer obersten Bundesbehörde habe ich diesen fast unkündbaren Job aufgegeben (zum Beamten muß man wohl geboren sein) und mich als freiberuflich tätiger Verkaufs- und Verhaltenstrainer selbstständig gemacht, so ganz ohne Studium oder Diplom. In diesem Beruf bin ich trotz mannigfaltiger Anlaufprobleme und zig überlebens- notwendigen Nebenjobs glücklich geworden. Die zunächst einschneidende und in den Augen anderer völlig hirnverbrannte Entscheidung für diesen Weg verschaffte mir eine Fülle von interessanten Lebenserfahrungen und ich konnte schlussendlich davon sogar leben mit Familie und drei Kindern.

5

Der Tod meiner ersten Frau mit 41 Jahren hat mich komplett umgehauen, ich habe damals nicht nur meinen Job, sondern auch mich selbst verloren. Zu Verstand gekommen bin ich irgendwie später in einer hessischen Großstadt, weitab von meiner Familie, am Funktisch einer Taxizentrale. Ich weiß nicht mehr, wann und wie ich diese Entscheidung getroffen habe, aber da hat dann mein zweites Leben begonnen, ganz anders aber genauso lebenswert, auch dank einer zauberhaften Freundin und heutigen Ehefrau.

6

Die Rückkehr nach über vierzig Jahren an meinen Geburtsort Ahaus – darüber habt ihr hier schon gelesen. Das beste, was mir passieren konnte, jeder braucht eine Heimat, und mindestens einen Festpunkt im Leben, ist es nicht so? Und eben aus diesem Grund steht diese verrückte Geschichte auch im „Der Ahauser“,

Fazit:

Wie kannst DU nun von diesen ganzen Erlebnissen profitieren?

Nun, ganz einfach. Nimm einfach hin, das jede deiner Entscheidungen, auch wenn sie dir heute vielleicht skurril oder gar falsch erscheinen, richtig war. Im Moment des Entschlusses ist jede Entscheidung für oder gegen etwas richtig und wertvoll, auch wenn sich später womöglich etwas Anderes herausstellt. Macht nichts, meistens ist eine Korrektur möglich. Wenn nicht, auch nicht tragisch. So ist nun mal das Leben, ich sage gern schmunzelnd

es ist eines der schönsten.

mh im September 2014

Die Elektrokatze

Den ganz frühen Sonntagmorgen, gleich wenn es hell wird nutze ich bei trockenem Wetter gern zu einer Ausfahrt mit dem Rad, begleitet von Zwiebel, unserer PUTE, (eine Pudel-Terrier Mix Hunde­dame). Mir tut die Bewegung gut und Zwiebel ist eine begeisterte Läuferin am Fahrrad. Heute sind wir, wie so oft, schon vor sechs Uhr losgefahren. Wie immer den schönen neuen Radweg entlang Richtung Wald und Wiesen. Zwiebel bestand darauf, rechts abzubiegen auf ihre Stammstrecke Richtung Kläranlage und Wald. Klar das ich ihr gern folgte. Ab ging es über Feldwege, im großen Bogen durch den Wald an ihrer persönlichen Aabachbadestelle und am Karnickelberg vorbei. Schnell mal durchs Maisfeld geschnobert und dann wieder ab über die große Holzbrücke auf den schönen neuen Radweg Richtung Heimat.
Ich entdeckte rechts vor uns auf einer Wiese eine friedlich mau­sende Katze, die, als sie uns sah, gemächlich Richtung Heimat davonzog. Zwiebel ist Katzen gewöhnt und kümmerte sich nicht um das Tier. Die Wiese endet an einem Elektrozaun an einer Böschung mit hohem Unkrautbewuchs. Die Katze entschloss sich vorsichtshalber zu fliehen und dafür die Böschung hochzuspringen statt durch das hohe nasse Unkraut zu schliefen. Sie sprang, unterschätzte aber die Entfernung und Höhe und landete mit dem Bauch auf dem Draht des Elektrozauns.
Könnt ihr euch den Anblick vorstellen….eine kreischende Katze, das Fell rundum gesträubt wie ein alter Handfeger und doppelt so dick wie normal, die sich verzweifelt bemüht, von dem sie beißenden und Schläge austeilenden Draht wegzukommen. So drei vier Stromschläge hat sie bekommen, ehe sie sich vom Draht lösen konnte und fauchend und quietschend als lebender Mop davon sauste.Die arme Katze – ich bin trotz Mitleid vor Lachen über diesen Anblick fast vom Fahrrad gefallen.