Gutes Essen – ein schonungsloser Blick hinter die Kulissen

Kochen ist eine Leidenschaft, die geradezu explosionsartig entsteht. Kochen war für mich ein Fremdwort, naja, mal Nudeln, Rührei oder einen Bohneneintopf, okay. Aber richtig kochen, lecker, mit Phantasie und sogar Spaß, neeee, nix für mich. Bis, ja bis mich der Kochspaß erwischte.

Im Jahre 2010 sind wir, meine Frau und ich, ins schöne Münsterland umgezogen, in meine Geburtsstadt Ahaus. Ein Wunsch, den ich mir nach vielen Jahren Traum erfüllen konnte, weil im Haus meiner Schwester eine knuffige genau für uns passende kleine Wohnung frei wurde. Dort wurden wir dann Mieter und später wurde aus der Mietgemeinschaft eine waschechte Wohngemeinschaft. So richtig, mit gemeinsamer Küche und gemeinsamen Essenszeiten im Speiseraum. (wie sich das anhört)

Aus den gemeinsamen Mahlzeiten erwuchs relativ schnell das zunächst gemeinsame Kochen. Jeder steuerte das dazu bei, was er meinte zu können, viel war das nicht, aber erstmal ganz interessant. So konnte ich prima Rühr- und Spiegeleier braten, Nudeln und Bratkartoffeln zubereiten mit diversen (Tüten)Saucen drüber. Einen Blattsalat mit Fertigsauce zu kreieren war auch kein Problem. Kalte Küche mit Häppchen und Pizza und diverse Eintöpfe waren auch ganz schmackhaft. Michael war da schon besser, sein strammer Max war geradezu gigantisch lecker, sein Gulasch und seine Rouladen berühmt und unwiderstehlich.

Aber zurück zum Thema:
Irgendwann ergab es sich, das mein Schwager Michael und ich uns das Kochen geteilt haben, eine Woche er und eine Woche ich, abwechselnd: Unsere beiden Frauen hatten mit Kochen nichts mehr zu tun, die haben immer nur nach dem Essen das Chaos in der Küche beseitigt, was wir Männer hinterlassen haben.
Irgendwann, im Juni 2011 habe ich angefangen, für meine Kochwochen jeweils im Voraus einen Speiseplan zu erstellen. Dabei bediente ich mich einiger Rezepte aus meiner Erfahrung, aus Erinnerungen und vor allem, aus dem unerschöpflichen Rezeptvorräten des Internet. So sieht so ein Speiseplan dann aus, hier mal ein Beispiel vom 20.10.2013

Montag
Spaghetti mit Krabben-Tomaten-Sahnesauce

Dienstag
Grünkohl crunchy, Babykartoffeln

Mittwoch
Kürbiscremesuppe mit Maronen

Donnerstag
24h Schnitzel mit Kroketten

Freitag
Forellen-Pfannkuchen

Samstag
Hähnchenschenkel aus dem Backofen mit ????

Sonntag
Hackbraten-Guglhupf

Ich habe inzwischen 75 solcher „Wochenpläne“ abgespeichert und „abgekocht“, mit nur ganz wenigen Wiederholungen drin. Im Laufe der Wochen und Monate entstehen natürlich mannigfaltige Erfahrungen. Nicht alles, was ich zubereitet habe, hat dann auch geschmeckt. So ist mir eine russische Woche voll misslungen, war irgendwie alles nicht so gut. Mediterrane Wochen sind aber immer wieder was Feines. Erfahrungen führen dazu, das ich inzwischen auch mit eigener Fantasie Gerichte entwickele und vor allem, mich auch schon mal an schwierigere Sachen herantraue. So gab es zu Weihnachten mal einen super gelungenen Rehrücken oder Lachsforelle im Salzmantel, mit den dazugehörigen Beilagen. Auch verrückte Gerichte mit Namen wie Schnudendunker, Chessbaar und Schtschi und andere ausgefallene Gerichte habe ich ausprobiert und oft für gut befunden.

Wir entdeckten Vorlieben, die uns bisher fremd waren. So lieben wir inzwischen von allen Kohlsorten den Spitzkohl am meisten, den wir bis dato schlicht ignoriert haben, weil wir ihn nicht kannten. Im Münsterland werden Rüben gern verspeist, die sind ja sowas von lecker richtig zubereitet. Stielmus, eine Erinnerung aus meiner Kindheit wiedergerfunden, lecker. Statt dem üblichen „BLUBB“ Spinat bevorzugen wir inzwischen „BLATT“ Spinat in vielen Varianten, auch als Füllung für Muffins zum Beispiel oder für überbackenen Nudelauflauf. Der erste verarbeitete Kürbis, ein Hokkaido schmeckte uns so gut, das wir weitere Kürbisgerichte auch mit anderen Sorten ausprobierten und letztes Jahr im Garten die ersten Kürbisse selbst ernten konnten.
Was gibt es für Eier doch an Möglichkeiten der Zubereitung, da kann man glatt Tage mit füllen. Und Aufläufe, mit Sahneguss, mit Käse überbacken, herzhaft oder auch mal süss. Kartoffeln sind schier unerschöpflich in ihren Zubereitungsmöglichkeiten, vom frischen Püree bis zu zarten Süsskartoffelscheiben im Salat. Ich könnte hier noch seitenweise weiter schwärmen, es gibt einfach nur unglaublich viele Möglichkeiten.

Wir haben im Laufe der Zeit einige Schwerpunkte gesetzt, die uns wichtig erscheinen und die uns auch gut tun:

Wir sind Diabetiker, so das wir unsere Küche immer mehr darauf abstimmen. Das fängt damit an, das wir einen Pizzaboden aus z.B. aus Blumenkohl oder Thunfisch anfertigen statt aus Hefeteig, schmeckt wahnsinnig gut. Pfannkuchen aus Buchweizenmehl sind was ganz Feines. Brot backen wir gern selbst, Vollkornmehle bevorzugt. Und vor allem ein kohlehydratarmes Brot in vielen Geschmacksrichtungen fast ohne Mehl, dies auch gern als leckeren Muffin im Muffinförmchen, sowas von lecker. Starke Einschränkungen beim Gebrauch von Fett, unsere Friteuse haben wir ausrangiert, Öl und Fett verwenden wir sparsam. Sahne wird durch fettreduzierte Kochsahne ersetzt wenn möglich. Kartoffelpuffer z.B. kann man lecker auf einem Backbleck auf Backpapier mit nur ein paar Tropfen Öl im Backofen backen. Gut würzen, schmeckt fantastisch und macht viel weniger Arbeit wie das Ausbacken der vielen fettigen Puffer.

Wir sind keine vegan lebenden Esser, aber wir verzichten mittlerweise immer mehr insbesondere auf Fleisch. Wer öfter mal die richtigen Sendungen sieht im Fernsehen kommt da von ganz allein drauf, vor allem bei Geflügelfleisch. Eine leckere Bratwurst oder eine Scheibe Schinken vom Metzger, der seine geschlachteten Tier und ihre Haltung kennt gönnen wir uns aber durchaus noch, eben viel seltener wie früher. Und auch eine frisch geangelte Forelle oder im Urlaub an der See frisch gefangenen Fisch gönnen wir uns gern mal. Und lieber frisches Gemüse vom Markt wie Konserven, wobei man da ja durchaus streiten kann, es gibt hervorragende Konserven und vor allem gefrorenes Gemüse, das wirklich sehr gut und vor allem knackfrisch ist.

Ein relativ neuer Trend für uns sind grüne Smoothies. Wir haben kaum Obst gegessen bisher, durch die Zubereitung und den täglichen Verzehr dieser Smoothies haben wir da deutlich zugelegt. Sicher kann man über diesen Trend streiten, aber, es geht uns gut damit und das ist es ja was wir uns wünschen.
Die beiden Damen im Hause haben durch die kontrollierte Küche in den letzten Monaten ganz erklecklich abgenommen, ein toller Erfolg. Ich bin da nicht so erfolgreich, mir schmeckt es einfach immer noch zu gut. Gut Ding will eben Weile haben.

Seit einem halben Jahr lebt unser zweiter Koch Michael nicht mehr, aber meine Schwester übernimmt erfolgreich seinen Kochpart und ihr geht es wie mir vor drei Jahren. Je mehr und öfter sie kocht, desto mehr Spaß hat sie daran und vor allem, sie holt auf. Wenn ich nicht aufpasse, überholt sie mich, sie ist nämlich ein Naturtalent.

Es macht uns allen, Köchen und Essern, große Freude und nur das zählt.

Wird fortgesetzt…..